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Werwolfgeschichten
voller unvermeidlicher "Zutaten" wie Vollmonde, Friedhöfe und verwandlungsresistente Wunden wurden bekanntlich bereits im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung niedergeschrieben. Interessant ist, das etliche Jahrhunderte vergehen mussten, bis im 18. Jahrhundert das
nächste Werwolf-Abenteuer veröffentlicht werden konnte.
C
ameil Der Wahnsinn in den letzten Jahrhunderten. Halle 1848, zitiert nach Leubuscher
Gegen Ende des Herbstes 1573 wurden durch einen Parlamentserlass die Bauern in der Umgegend von Dôle autorisiert, auf Werwölfe Jagt zu machen.
Einige Monate später verurteilte das Parlament von Dôl den Gilles Garnier, genannt den Eremiten von St. Bonnot zum Feuertode, weil er als Wolf mehrere Kinder getötet habe. Die einzelnen Angaben sind: Der Angeklagte habe bald nach dem letzten Tage des Festes des heiligen Michael unter der
Gestalt eines Werwolfes, ungefähr eine Viertelstunde von der Stadt entfernt, in dem Orte Gorge, einem Weinberge zu Chastenoy gehörig, nahe bei dem Gehölze de la Serre ein kleines Mädchen von 10 oder 12 Jahren mit
seinen scheinbar in Tatzen verwandelten Händen und seinen Zähnen getötet, habe sie dann bis zu dem Gehölze geschleppt, entkleidet, das Fleisch von ihren Schenkeln und Armen abgenagt und damit nicht zufrieden, auch
noch seiner Frau Apollinie in seine Wohnung, die Eremitage von St. Bonnot, nahe bei Amenges etwas mitgebracht. Er habe acht Tage nach dem Allerheiligenfeste ebenfalls als Werwolf, nahe an der Wiese de la Pouppe, auf dem Territorium von Athume und Chastenoy ein anderes Mädchen
ergriffen und ihr mit seinen Zähnen und Händen fünf Wunden beigebracht, mit der Absicht, sie zu verzehren, woran er indes durch das Hinzukommen von drei Personen verhindert wurde, was er mehrmals anerkannt und
eingestanden hat Er habe vierzehn Tage nach dem
Allerheiligenfeste gleichfalls als Wolf, ungefähr eine Meile von Dôle zwischen Gredisans und Menoté ein anderes männliches Kind von ungefähr zehn Jahren erdrosselt und getötet, wie die vorigen, und von dem Fleische
der Schenkel, Beine und des Bauches gegessen, nachdem er noch ein Bein vom Körper gänzlich losgetrennt Endlich habe er am Freitag vor dem letzten Bartholomäusfest einen Knaben von 12 bis 13 Jahren unter einem großen Birnbaum nahe bei dem Gehölze des Dorfes Perrouze
ergriffen, in das Gehölz geschleppt, erwürgt, um ihn ebenso, wie die andern Kinder zu verzehren, was er auch getan hätte, wenn er nicht durch das Herannahen von Menschen daran verhindert worden wäre. Aber das Kind
war schon tot, und der Angeklagte erschien als Mensch und nicht mehr als Wolf, Trotzdem es aber Freitag war, würde er unfehlbar von dem Fleisch gegessen haben, wenn nicht Leute gekommen wären, wie er mehrmals
gestanden hat. Wegen der freiwillig wiederholt abgelegten
Geständnisse verurteilte ihn der Gerichtshof, zum Richtplatz geschleift und dort lebendig verbrannt zu werden.
 Fußabdruck eines Werwolfes ?
Pierre de Lancre
L´incrédulité et méscréance du sortilège. Paris 1622, zitiert nach Leubuscher
Im Jahre 1598 wurde in Angers der Prozess eines Lykanthopen verhandelt. Man sieht wie ansteckend diese Vorstellungen waren. Man hatte in der Nähe von Caudean einem wilden abgelegenen Orte an den zerfleischten Leichnam eines fünfzehnjährigen Knaben gefunden. Als man hinzukam,
flüchteten zwei Wölfe, die noch von dem Körper gefressen hatten. Man verfolgte sie, kam von der Spur ab, fand aber in der Nähe einen seltsam verwilderten Knaben mit
langem Haar und Bart und mit blutigen Händen, mit langen Nägeln, wie mit Krallen. Dieser Mensch hieß Roulet. Nach einigen Zeugenaussagen sollte er ebenfalls erst bei der Annäherung von Menschen von dem Leichnam geflüchtet sein. Er war blutarm und erbettelte sich mit
seinem Cousin Julien und seinem Bruder Jean seinen Unterhalt in den benachbarten Ortschaften. Als die Tat geschah, war er schon acht Tage von Hause enfernt. Im Verhör gab er an, dass er sich auf seiner Reise mit seinen Begleitern in Wölfe
umwandle, mit Hilfe einer Salbe, die er von seinen Eltern erhalten habe. Er gestand ein, dass er das Kind überfallen und zuerst durch Ersticken getötet; die beiden andern Wölfe
seien seine Verwandten gewesen; er erkannte die Kleider wieder, die er an jedem Tage angehabt, den Leichnam des Kindes, gab die Stelle an, an der die Tat geschehen,
erkannte den Vater des Kindes als denjenigen, der auf das Geschrei desselben zuerst zur Hilfe herbeigeeilt. Roulet zeigte sich im Gefängnis als Idiot. Bei seiner Gefangennahme war sein Bauch sehr gespannt, aufgerieben und hart, im
Gefängnis trank er an dem Abend einen ganzen Eimer mit Wasser aus und wollte seitdem nichts mehr zu sich nehmen. Seine Eltern waren brave Leute, und es erwies sich, dass
sein Bruder und sein Cousin sich an demselben Tage nicht an demselben Orte befunden haben. Es ist wahrscheinlich, dass wirkliche Wölfe jenen Knaben zerrissen haben; hätte
ihn Roulet getötet, so begreift man nicht, wie Wölfe so plötzlich auf den Leichnam hätten losstürzen können. Roulet mag sich an der Nähe befunden haben, und um seinen
Hunger zu stillen, da er schon acht Tage in den Wäldern umherirrte, mag er, während man die Wölfe verfolgte, sich auf den Leichnam gestürzt haben, wobei er sich mit Blut besudelte. Der Lieutenant Criminell verurteilte Roulet zum Tode. Er appellierte jedoch an das
Parlament zu Paris, und dieses erkannte: es steckt mehr Tollheit in dem armen Idioten, als Bosheit und Zauberei und befahl, ihn auf zwei Jahre in ein Irrenhaus zu stecken,
damit er unterrichtet und zur Erkenntnis Gottes zurückgeführt werde, die er in seiner bittern Armut außer Acht gelassen habe.
 Peter Stump Auch menschliche Massenmörder erklärte man damals zu Werwölfen. Exemplarisch ist der Fall des Peter Stump, der sich um 1590 in Bedburg nahe Köln zutrug.
Man klagte Peter an, sich in einem Wolf verwandelt zu haben, mindestens zwei Männer, zwei schwangere Frauen und dreizehn Kinder und gefressen sowie mit seiner Tochter Inzest begangen zu haben. 1589 gestand Peter Stump aus Bedburg bei Köln vor Gericht,
zwanzig Jahre lang eine teuflische Succube als Beischläferin gehabt zu haben; diese habe ihm einen Gürtel geschenkt, mit dem er sich, sobald er ihn anlegte, in einen
Werwolf verwandeln konnte. In dieser Gestalt habe er fünfzehn Knaben, zwei Weiber und einen Mann erwürgt, jedoch jeweils nur das Gehirn von ihnen gegessen. Stump wurde gerädert, fürchterlich gefoltert.
Man riss ihn mit Kneifzangen in Stücke, flocht ihn aufs Rad und enthauptete ihn, bevor man seinen Kopflosen Leichnam verbrannte. Für den Fall, dass man etwas ausgelassen hatte, wurden seine Geliebte und seine
Tochter gleich mit verbrannt.
Der letzte Dokumentierte Fall war ein tragischer Zwischenfall im Jahr 1925, der sich in
Uttenheim in der nähe von Straßburg zutrug. Dort wurde ein Jude von einem Polizisten erschossen, der ihn für ein Werwolf hielt. |