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Doch die Burg hat eine blutige Vergangenheit :
Vor langer Zeit lebte auf einer Burg, Plassenburg nennt man sie, die Gräfin von Orlamünde mit ihren zwei Kindern. Der Graf war auf einem Kreuzzug ungekommen und die junge, schöne Gräfin wollte, nachdem sie ein
Jahr in Trauer verbracht hatte, den stolzen Burggrafen Albrecht von Nürnberg zum Gatten haben. Der aber zögerte. Die Gräfin verfiel auf den Gedanken, es seien ihre beiden Kinder, die ihn abhielten. Blind vor
Leidenschaft stieß sie eines Nachts den armen Kleinen eine lange, goldene Nadel in die noch zarten Köpfchen und erzählte am anderen Morgen, ihre Kinder seien des Nachts plötzlich gestorben. Aber gar bald regte sich die Reue. Und als aus der Heirat nichts wurde, schlug ihr Gewissen
noch heftiger. Sie fand keine Ruhe mehr, sie nahm schwerste Buße auf sich, auf den Knien rutschte sie an das Grab ihrer gemordeten Kinder - alles half nichts. Schließlich gründete sie ein Kloster in Gründlach bei
Nürnberg, entsagte allem Weltlichen, wurde Nonne und lebte bis an ihr Ende nur noch ihrer Reue. Aber auch nach ihrem Tod konnte sie keine Ruhe finden. Ihr Geist wandelt noch heute durch alle Schlösser, die den
Nachkommen der Burggrafen von Nürnberg gehören, um dessentwillen sie jene furchtbare Mordtat begangen hatte. Auf Hoheneck, das ja auch zu den Besitzungen der Hohenzollern zählt, ist sie seit langem nicht mehr
gewesen. Als sie das letzte mal von der Großmutter des damaligen
Burgherren gesehen wurde, starb diese noch im selben Jahr. Auch noch im selben Jahr wurde die Burg von einer Meute aufständiger Bauern angegriffen. Beinahe wäre es ihnen gelungen, die Burg zu erobern. Nur mit
viel Mühe konnten sich die Hohenecker behaupten. Während die Bauern Dutzende Tote hatten, hatten die Hohenecker viele Verletzte und einen einzigen Toten.
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Bis
vor wenigen Jahren hing in einer Nische des langen Ganges, der zum großen Rittersaal führt, ein lebensgroßes Bild von der Weißen Frau mit dem Nonnenschleier über Haupt und Schulter und einer Laterne in der rechten
Hand. Mit leeren Augen starrte sie den Besucher an. Man erzählt
sich, daß in mondhellen Nächten bisweilen nur der Rahmen des Gemäldes an der Wand gehangen sei. Die weiße Frau aber wurde seit 1525 nicht mehr gesehen.
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