Der polnische Upier


Rzaczynskis Naturgeschichte des Königreichs Polen, 1721

Ich habe vielmals von glaubwürdigen Augenzeugen gehört,
dass man Menschenleichen gefunden hat, die nicht allein lange Zeit unverwest,
mit beweglichen Gliedern und rot geblieben waren,
sondern überdies auch Mund, Zunge und Augen bewegten,
die Leichentücher, in die sie gehüllt waren, verschlangen
und sogar Teile ihres Körpers fraßen.

Bisweilen ist auch die Kunde davon gekommen,
dass eine derartige Leiche aus dem Grabe aufstand,
über Kreuzwege und Häuser wandelte, sich bald dem, bald jenem zeigte,
auch manche anfiel, um sie zu erwürgen.

Wenn es eine Mannesleiche ist, dann heißt dieses Wesen Upier,
wenn es eine Frauenleiche ist, Upierzyca,
d. h. gleichsam ein gefiederter, mit Federn versehener,
leichter zur Bewegung geschickter Körper.




 


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