Der Vampir von Croglin Grange


Zwölf Meilen südöstlich von Carlisle gibt es ein kleines Dorf mit dem Namen Croglin.
Dieses Dorf existiert seit der Bronzezeit.
Irgendwann im Jahre 1346 brannte es bis zum Grund ab.
Schauplatz des Geschehens ist ein Bauernhof, wo wohl eine der merkwürdigsten
Dokumentationen über eine Vampir-Erscheinung ihren Ursprung gefunden hat.


Die Untersuchungen:

1924 beschloss Charles G. Harper diese Angaben zu überprüfen und besuchte den Schauplatz.
Harper konnte Croglin Grange jedoch nicht finden.
Zwar existierten zwei Gebäuden - High Hall und Croglin Low Hall - jedoch passte keine
der Beschreibungen zu diesen Gebäuden.
Auch gab es keine Kirche in der Nähe. In der nächstgelegenen,
über eine Meile entfernten Kirche befand sich keine Gruft,
die zu den Beschreibungen von Croglin Grange passte.

Jahre später erforschte F. Clive-Ross dieses Gebiet.
In den Interviews mit den Einheimischen stellte er fest,
dass Croglin Low Hall das Haus gewesen sein musste,
welches in Hare´s Geschichte eine Rolle spielte;
und das sich vor vielen Jahren eine Kapelle in der Nähe befunden hatte.
Die Fundamentsteine waren damals im Jahre 1930 noch gut sichtbar gewesen.
Clive-Ross widerlegte somit Harpers Behauptungen.



Es blieb die Frage: Durchstreifte wirklich ein Vampir dieses Gebiet?



Die Hintergründe:

Die Engländer liebten die schaurigen Geschichten in entsprechenden Romanen.
Diese Romane vermischten Lieder, Balladen und Melodramatisches
um die Phantasien der Leser zu fesseln.
Auch Spring Heeled Jack entsprang aus einem Groschenroman.

"Varney der Vampir" erschien 1847, ein Produkt des erfolgreichen Autors James Rymer.
Er ließ sich von diesen viktorianischen Geschichten, wie Frankenstein und die Vampire inspirieren.
Keine andere Vampirgeschichte wurde in Großbritannien so bekannt.
Die Forscher jedoch verglichen Varnery mit Croglin und fanden erstaunliche Ähnlichkeiten.

Beide Geschichten berichten von einem Vampir,
welcher sich in gleicher Weise Zutritt in die Schlafzimmer verschafft,
indem er die Scheibe einschlägt und die Verriegelung des Fensters öffnet.
Zudem pflegen beide Vampire mit den Haaren ihres Opfers zu spielen,
indem sie diese um ihre knochigen Finger wickeln. Dann warfen sie den Nacken des Opfers zurück,
bissen in den Hals und saugten ihnen geräuschvoll das Blut aus.

Clive-Ross sprach irgendwann erneut mit den Anwohnern.
Er erfuhr, dass es einen bedeutenden Fehler im ursprünglichen Bericht von Hare gab:
Die Geschichte stammte nicht aus dem Jahre 1870, sondern aus dem Jahre 1680.
Diese Tatsache machte leider die Nachweisbarkeit der Geschichte zunichte
und rückt sie weit in die Vergangenheit.
Aber das letzte Wort war noch nicht gesprochen...


Die Geschichte des Vampirs von Croglin Grange:

Hier der Bericht von Capt. Fisher aus dem Jahre 1982.
Der Schriftsteller Augustus Hare dokumentierte in einem Interview
die nachfolgenden Überlieferungen aus den Annalen der Familie des Captains:

Der Name Fischer klingt zugegeben sehr gewöhnlich, aber diese Familie ist von sehr alter Abstammung.
Über viele Jahrhunderte haben sie dieses geheimnisvolle Gebäude in Cumberland besessen.
Es trägt den sonderbaren Namen Croglin Grange.
Das Haus hat, außer dieser seltsamen Geschichte, nichts Besonderes an sich.
Jedoch besitzt es eine große Terrasse mit wundervoller Aussicht und ein großes Grundstück,
welches bis zur Kirche und in eine Gruft führt.
Mit den Jahren wuchs das Vermögen der Familie.
Irgendwann entschlossen sie sich, Croglin Grange zu verlassen.
Die zwei Brüder und eine Schwester zogen nach Süden, in die Nähe von Thorncombe.

In ihrer neuen Umgebung wurden sie schnell in die reiche Gesellschaft aufgenommen
und lebten glücklich.
Im darauf folgenden Sommer gab es einen besonders heißen Tag.
Die Brüder lagen faul im Schatten unter den Bäumen, denn es war einfach zu heiß
für jegliche Art von Betätigung.
Die Schwester saß auf der Veranda und arbeitete so gut es ging. Sie aßen früh zu Abend.
Nach dem Essen setzten sie sich raus auf die Veranda und genossen die kühle Luft,
welche der Abend brachte.

In der Nacht trennten sie sich, um im Erdgeschoss schlafen zu gehen
(dieses Haus hatte nur ein Stockwerk).
Die Schwester konnte einfach nicht schlafen. Es war immer noch zu heiß.
Dennoch schloss sie das Fenster, ließ aber die Fensterläden geöffnet.
Im Bett lehnte sie sich zurück und beobachtete die schöne Landschaft im Mondschein.
Es war eine wundervolle Sommernacht.
Irgendwann bemerkte sie zwei Lichter die durch die Bäume flackerten.
Am Waldrand trieb sich definitiv etwas herum.
Als sie sich genauer darauf konzentrierte, trat ein dunkler Schatten hervor.
Es war zweifellos etwas Grauenvolles, welches jeden Moment immer näher zu kommen schien.
Immer wieder verschwand es für einen Moment im Dickicht der Bäume,
dann tauchte es wieder auf und schien sich zu dehnen und zu wachsen.
Diese Beobachtung machte ihr große Angst.
Sollte sie Hilfe holen?

Sie konnte es kaum glauben.
Diese Kreatur machte nicht einfach kehrt oder lief um das Haus herum.
Nein - diese Kreatur kam direkt auf sie zu!
Sie wollte schreien, aber ihre Stimme war weg, die Zunge war wie verschnürt.
Blitzartig hetzte sie zur Tür. Doch diese hatte sie von innen abgeschlossen.
Während sie eilig damit beschäftigt war, die Türe zu entriegeln, hörte man schreckliche Kratzgeräusche.
Diese kamen vom Fenster. Immer und immer wieder.
Sie schaute hin und blickte direkt in glühenden Augen eines grauenhaften Gesichtes.
Voller Panik sprang sie zurück in ihr Bett. Sie zitterte.
Dieses Etwas hörte einfach nicht auf zu kratzen.
In ihren Gedanken versuchte sie sich zu beruhigen.
Das Fenster hatte sie zumindest sicher von innen verschlossen.
Da hörte das Kratzen plötzlich auf und ein anderes Geräusch setzte ein.

In diesem Moment wurde ihr richtig bewusst:
Die Kreatur würde es schaffen einzudringen. Dann fiel etwas auf den Boden.
Es war ein rundes Stück von der Fensterscheibe.
Langsam kamen lange knochige Finger zum Vorschein. Sie fummelten am Griff und öffneten das Fenster.
Dann kletterte dieses Etwas hinein und kam langsam auf sie zu.
Mittlerweile in großer Panik, konnte sie sich nicht mehr rühren.
Sie konnte nur regungslos mit ansehen, wie er zu ihr ans Bett kam.
Er zog ihren Kopf an sich und strich ihr über die Haare.
Dann umfingen diese dürren kalten Finger eine Strähne ihres Haares.
Ihr Kopf nach hinten gebogen und dann biss ihr diese Kreatur gierig in den Hals.

Als sie seine Zähne spürte, hatte sie ihre Stimme wieder.
Sie schrie mit all ihrer Kraft und Seele.
Ihre Brüder kamen sogleich angestürmt, aber die Türe war immer noch von innen verschlossen.
Wertvolle Zeit verstrich, weil ein Stemmeisen geholt werden musste um die Türe aufbrechen zu können.

Das Biest war aber schon längst durch das Fenster entwischt.
Die Schwester lag auf dem Bett in ihrem Blut, das aus ihrem Hals floss.
Einer der Brüder verfolgte das Monster im Mondlicht, aber es entwischte ihm
indem es über die Mauer sprang.

Die Brüder versammelten sich am Bett ihrer Schwester.
Sie war schrecklich zugerichtet und die Wunde fast tödlich.
Doch Ihre Schwester war stark und kam wieder zu sich.
Sie sagte:
“Was geschah, war äußerst schrecklich und das Ding hat mich schlimm verletzt.
Es ist einfach unglaublich, aber bestimmt gibt es da eine Erklärung für das was passiert ist.
Wir werden es erfahren. Vermutlich wird ein Wahnsinniger entflohen sein, der seinen Weg zu uns fand.”
Die Wunde heilte schnell und die Schwester schien wieder gesund.
Der Arzt verordnete ihr dennoch einen Umgebungswechsel.
Und so brachten die Brüder sie in die Schweiz.
Im Herbst wollte sie aber unbedingt wieder zurück nach Croglin Grange.
Zu Hause zog die Schwester wieder in das gleiche Zimmer ein.
Es erübrigt sich zu sagen, dass sie nachts stets die Fensterläden verschloss.
Die Brüder bezogen den Raum gegenüber und stets hatten sie eine geladene Pistole parat.

Der Winter verging friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.
Irgendwann im März wachte die Schwester nachts auf.
Da war das vertraute Geräusch wieder. Es kratzte am Fenster.
Sie schaute hinüber. Die gleiche Kreatur stand wieder vor ihrem Fenster!
Schrecklich braun und mit glühenden Augen blickte er sie an.
Diesmal jedoch schrie sie so laut wie sie nur konnte.
Ihre Brüder stürmten Sekunden später schon zur Türe herein.
Das Biest war aber schon draußen und rannte über die Wiese.
Einer der Brüder feuerte mit der Pistole und traf das Untier am Bein.
Stolpernd floh es über den Kirchhof und verschwand in der Familiengruft welche
einer Familie gehörte, deren Mitglieder alle vor Ewigkeiten verstorben waren.



Die Kirche von Croglin Grange


Am nächsten Tag riefen die Brüder alle Pächter von Croglin Grange zusammen.
In ihrer Anwesenheit wurde die Familiengruft geöffnet.
Eine schreckliche Szene eröffnete sich vor ihren Augen:
Die Gruft war überfüllt mit Särgen. Sie waren alle geöffnet.
Auf dem Boden lag überall der Inhalt herum:
Zerfetzt und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
Nur ein einziger Sarg war noch ganz.
Lediglich der Deckel war abgetrennt und lag lose darauf.
Als sie den Deckel hoben und sahen was sich darunter befand, erschauerten sie:
Da lag tatsächlich dieses Biest, welches in das Zimmer ihrer Schwester gestiegen war
und sie so grausam zugerichtet hatte.
Es war grässlich verschrumpelt und mumifiziert und an seinem Fuß man fand die Schussspuren.

Dann machten Sie genau das, was man mit einem Vampir macht - sie verbrannten ihn.




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