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Die Engel von Mons


D
ie aus dem Ersten Weltkrieg stammende Gespenstererscheinung über die Engel von Mons
ging als eine der seltsamsten in die Analen des Übernatürlichen ein:
Seltsam deswegen, weil der Mann, der als erster über die Legende schrieb, betonte,
es handele sich um eine erfundene Geschichte, später jedoch viele Berichte von Soldaten auftauchten,
die behaupteten, die geisterhaften Bogenschützen tatsächlich gesehen zu haben!

Die Geschichte fing am 29. September 1914 - dem Michaelis Tag - an,
als der walisische Schriftsteller und Journalist Arthur Machen (1863-1947)
eine Kurzgeschichte mit dem Titel “The Bowmen” (dt.: Die Bogenschützen) in einer Londoner Zeitung veröffentlichte.
Die schreckliche Schlacht bei Mons, am 23. August 1914, hatte ihn zu dieser Geschichte angeregt.
Britische Truppen, die im Verhältnis zehn zu eins zahlenmäßig unterlegen waren,
hielten fünfzig deutsche Divisionen in Schach und unterstützten damit den französischen Rückzug enorm.

Machen war von dieser Tapferkeit dermaßen beeindruckt,
dass er eine Geschichte über einen britischen Soldaten verfasste,
der in Todesangst ein lateinisches Gebet stammelte und plötzlich sah,
wie eine Gruppe von Phantomschützen ihre silbernen Pfeile auf die heranrückenden deutschen Truppen feuerte.
Der erstaunte Soldat sah zusammen mit seinen Kameraden die feindlichen Soldaten zu Hunderten fallen.
Als sie später die Leichen untersuchten, fanden sie keine einzige Wunde an ihnen.
Bei der allgemeingedrückten Stimmung, in der sich England in jenem Herbst 1914 befand,
wurde die aufmunternde Geschichte von den Bogenschützen von zahllosen Lesern begeistert aufgenommen.

Doch dann geschah ein seltsames Nachspiel.
Langsam sickerten die Berichte aus Frankreich durch,
dass die Truppen dort die geisterhaften Erretter tatsächlich am Himmel gesehen hatten:
Es handelte sich jedoch nicht um Bogenschützen, sondern um Engel.
Obwohl es einige Abweichungen in den Darstellungen gab, blieben die grundlegenden Tatsachen gleich.

Dutzende von Soldaten gaben vor, die Erscheinung von Phantomgestalten
am Himmel bezeugen zu können, die dem vorrückenden Feind den Tod brachten.

Nachdem ihm diese Beschreibungen zu Ohren gekommen waren,
legte Arthur Machen umgehend Protest ein und betonte, dass er die Geschichte erfunden habe,
dass sie keinen Funken Wahrheit enthalte. Doch hörten nur wenige Menschen auf ihn.
Die Beschreibung war dermaßen anregend, dass sie einfach glauben wollten, Gott sei auf Seiten der Verbündeten.

So entstand die bis heute berühmt gebliebene Legende von den Engeln von Mons.













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