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Zum Ende der Seite springen Der Golem
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nebelwandler nebelwandler ist männlich
Waldschrat



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Der Golem Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Der Golem ist nach jüdischer Legende ein aus Lehm gebildetes Wesen, das, wenn es durch Magie zum Leben erweckt wird, Sklavendienste verrichten kann.

Jorge Luis Borges schreibt in seinem Buch „Einhorn, Sphinx und Salamander“, Frankfurt/Main 1993, S. 72-74, über den Golem:

Wir dürfen nicht annehmen, daß in einem von göttlicher Weisheit inspirierten Buche irgend etwas zufällig sei, nicht einmal die Anzahl der Wörter oder die Anordnung der Zeichen, so glaubten die Kabbalisten, und getrieben von dem Begehren, die Geheimnisse Gottes zu erforschen, widmeten sie sich der Aufgabe, die Buchstaben der Heiligen Schrift zu zählen, zu kombinieren und zu vertauschen. Dante erklärte im 13. Jahrhundert, jede Bibelstelle habe vier Bedeutungen – die wörtliche, die sinnbildliche, die moralische und die mystische; Scotus Eriugena, konsequenter mit dem Begriff der Göttlichkeit, hatte schon gesagt, die Bedeutungen der Heiligen Schrift seien unzählig wie die Farben des Pfauenschweifes. Die Kabbalisten wären mit dieser Meinung einverstanden gewesen; eines der Geheimnisse, das sie im götllichen Text zu ergründen suchten, war das der Schöpfung organischer Wesen. Von den Dämonen sagte man, daß sie große, massive Wesen wie das Kamel formen könnten, aber keine feinen und zarten, und der Rabbiner Eliezer meinte, sie seien nicht fähig, etwas zu schaffen, das kleiner sei als das Korn der Gerste. Golem hieß der Mensch, der durch Verbindungen von Buchstaben geschaffen wurde; der Name bedeutet wörtlich: ein formloser oder lebloser Körper.
Im Talmud (Sanhedrin 65, b) steht geschrieben: „...Wenn die Frommen wollten, könnten sie eine Welt erschaffen... Rabba schuf einst einen Menschen und sandte ihn zu R. Zera; als dieser aber mit ihm sprach und er keine Antwort gab, sprach er: ‚Du bist also von den Genossen, kehre zu deinem Staube zurück.’
R. Hania und R. Osaja befaßten sich jeden Vorabend des Sabbats mit dem Studium des Buches von der Schöpfung und schufen ein Drittlingskalb, das sie dann verzehrten.“*
Der abendländische Ruhm des Golem ist das Werk des österreichischen Schriftstellers Gustav Meyrink, der im 5. Kapitel seines Romans Der Golem folgendes schreibt:
„Der Ursprung der Geschichte reicht wohl ins 17. Jahrhundert zurück, sagt man. Nach verlorengegangenen Schriften der Kabbala soll ein Rabbiner** da einen künstlichen Menschen – den sogenannten Golem – verfertigt haben, damit er ihm als Diener helfe, die Glocken in der Synagoge zu läuten und allerhand grobe Arbeit tue.
Es sei aber doch kein richtiger Mensch daraus geworden, und nur ein dumpfes, halbbewußtes Vegetieren habe ihn belebt. Wie es heißt, auch das nur tagsüber und kraft des Einflusses eines magischen Zettels, der ihm unter den Zähnen stak und die freien siderischen Kräfte des Weltalls herabzog.
Und als eines Abends vor dem Nachtgebet der Rabbiner das Siegel aus dem Munde des Golem zu nehmen versäumte, da wäre dieser in Tobsucht verfallen, in der Dunkelheit durch die Gassen gerast und hätte zerschlagen, was ihm in den Weg kam.
Bis der Rabbi sich ihm entgegen geworfen und den Zettel vernichtet habe.
Und da sei das Geschöpf leblos niedergestürzt. Nichts blieb von ihm übrig als die zwerghafte Lehmfigur, die heute noch drüben in der Altneusynagoge gezeigt wird.“
Eleasar von Worms hat die Formel bewahrt, die man braucht, um einen Golem herzustellen. Die Einzelheiten des Verfahrens umfassen dreiundzwanzig Spalten in folio und erfordern die Kenntnis der „Alphabete der 221 Türen“, die über jedem Organ des Golem wiederholt werden müssen. Auf die Stirn tätowiert man das Wort Emet, das „Wahrheit“ bedeutet. Um das Wesen zu zerstören, löscht man den Anfangsbuchstaben, denn so verbleibt das Wort met, das „tot“ bedeutet.


* Ähnlich schreibt Schopenhauer: „Auf Seite 325 des ersten Bandes seiner Zauberbibliothek faßte Horst folgendermaßen die Doktrin der englischen Visionärin Johanna Leade zusammen: ‚Diese magische Kraft setzt den, der sie besitzt in den Stand, die Schöpfung, d. h. das Pflanzen-, Thier- und Mineral-Reich zu beherrschen und zu erneuern, also, daß wenn Viele in Einer magischen Kraft zusammen wirketen, die Natur paradiesisch umgeschaffen werden könnte.’“ [Georg Conrad Horst, Zauberbibliothek, Mainz 1821] In: Über den Willen in der Natur, VII.

** Judah Loew ben Bezabel

Anmerkung im Anhang, S. 211:
Der Golem
Zu diesem Thema, das Borges in verschiedenen Formen immer wieder behandelt hat, vgl. u. a. ‚Die kreisförmigen Ruinen’ in Fiktionen und das Gedicht ‚Der Golem’ in Die zyklische Nacht.

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In dem Horrorfilm It! (Anger of the Golem/ Curse of the Golem; deutscher Titel: Der Golem lebt), 1966, von Herbert J. Leder erweckt ein von Machtgelüsten getriebener Museumsangestellter eine Golemstatue zum Leben, gerät aber bald unter ihren unheilvollen Einfluss. Der Golem, dessen zerstörerische Kraft entfesselt ist, kann am Ende nicht einmal mehr durch einen Atomsprengkopf aufgehalten werden.
09.02.2013 19:16 nebelwandler ist offline Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
Awful Annie Awful Annie ist weiblich
Irrlicht



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RE: Der Golem Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo nebelwandler,

sei tausendfach bedankt für die mir hochwillkommene Anregung, meine gesammelten Meyrinks mal wieder aus dem Spind zu kramen. Verschlungen habe ich die als Jungspundin. Wobei mir "Walpurgisnacht" aber viel besser gefallen hat seinerzeit. Und natürlich all die schaurig-ausgeflippten Kurzgeschichten um den dämonischen persischen Arzt.

Ist das übrigens Absicht, dass du den grandiosesten und vollkommen jenseitig-unerreichbaren Golem aller Zeiten für jetzt und immerdar nicht erwähntst? Paul Wegener, zum Niederknien (kriege hier keine Bilder verlinkt, aber wer will, kann selber googeln und wird wissen, was ich meine).

Beste Grüße

Annie

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29.07.2013 18:12 Awful Annie ist offline E-Mail an Awful Annie senden Beiträge von Awful Annie suchen Nehmen Sie Awful Annie in Ihre Freundesliste auf
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Waldschrat



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Hallo Annie,

ganz herzlichen Dank für deine Ergänzung. Von Paul Wegeners Filmen hatte ich zwar gelesen, sie aber bisher nicht weiter zur Kenntnis genommen. Jetzt habe ich mir seinen Klassiker "Der Golem, wie er in die Welt kam" angesehen und bin sehr beeindruckt. Für alle Interessierten hier der komplette Film.
30.07.2013 22:23 nebelwandler ist offline Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
Artair
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Zitat:
über jedem Organ des Golem wiederholt werden müssen. Auf die Stirn tätowiert man das WortEmet, das „Wahrheit“ bedeutet. Um das Wesen zu zerstören, löscht man den Anfangsbuchstaben, denn so verbleibt das Wortmet, das „tot“ bedeutet.


Bei Konsonantensprachen, ist das mit der Wortinterpretationen oft so eine Sache.
met kann auch lieben bedeuten (ani met al ze = Ich liebe es)
Schock

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Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind. Bätsch
(Charles Bukowski)
12.11.2017 15:50 Artair ist offline Beiträge von Artair suchen Nehmen Sie Artair in Ihre Freundesliste auf
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