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Geschrieben von jigoku_sora am 30.06.2018 um 02:57:

  Meine erste Tierfreundschaft

Ich möchte einfach mal von einer sehr eindrücklichen "Begegnung" erzählen.
Damals war ich 17 Jahre alt und besuchte die 10. Klasse. Seit 7 Jahren hatte ich ein Kaninchen. Das war damals so üblich, dass man die einzeln gehalten hat. Bekommen habe ich ihn (es war ein Männchen) zu meinem Geburtstag, nachdem ich praktisch jahrelang um ein Haustier gebettelt hatte. Eigentlich wollte ich ja Meerschweinchen, deren nackte Füße meine Mutter jedoch zum Gruseln fand. Also ein Kaninchen oder gar nichts.
Zwei Tage zuvor sind wir in den Zooladen gegangen, in dem mein Onkel gearbeitet hat. Er und meine Eltern zeigten mir verschiedene Kaninchen, die ich auch nur kurz ansah und irgendwie alle nicht passten. Dann fiel mein Blick aber auf den kleinen Schecken und es war um mich geschehen. Es musste dieser sein und kein anderes. Ich erinnere mich noch sehr gut daran und ich weiß, dass es nichts mit der Fellfarbe zu tun hatte.

Jedenfalls starb er dann 2007 vier Tage vor meinem Geburtstag an einem Hirntumor. Das war sehr schlimm für mich, weil ich zuvor außer bei den Fischen meines Bruders keinen Tod als solches miterlebt hatte und ich war allein mit ihm zu Hause. Der Tierarzt hatte mich zumindest darauf vorbereitet, aber niemand konnte sagen, wann es genau sein würde. Das seltsame war, dass er morgens noch fit war, soweit es sein Zustand zuließ. Als ich nach Hause kam gegen 14 Uhr, lag er in seinem Käfig und ich merkte da schon, da stimmt was nicht. Hab ihn dann rausgeholt und kurz laufen lassen. Da fingen dann erst die Ausfallerscheinungen an. Meine Mutter sagte später, er habe regelrecht auf mich gewartet und wollte nicht ohne mich gehen.

Leider weiß ich nicht mehr, welcher Tag das war. Einige Tage nach seinem Tod wachte ich mitten in der Nacht auf, weil sich eine menschliche Hand an meinem Oberschenkel hinauf schob. Ich erschrak sofort. Der ganze Raum wirkte mit einem mal bedrückend auf mich. Es war niemand zu sehen und die Hand verschwand auch ziemlich schnell. Ich war erst einmal völlig fertig, aber habe mir das mit Traum und Einbildung versucht, zu erklären. Also schloss ich die Augen wieder, sah jedoch eine Fratze aus weißen Linien auf schwarzem Grund. Die Augen dieser Fratze waren blau, aber sie hatten weder Iris noch Pupille. Sie starrten mich an und es jagte mir riesige Angst ein. Ich blinzelte, ruckte mit dem Kopf, aber jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, war die Fratze wieder da und sie wurde sehr schnell immer größer, kam näher.
Ich bemerkte, dass ich die Fratze nicht sah, wenn ich die Augen offen hielt, also versuchte ich trotz Müdigkeit, ein wenig wach zu bleiben. Mein Körper war halt auch noch voll auf Schlafen eingestellt und ließ sich kaum bewegen.
Dann merkte ich, wie ich beobachtet wurde. Ich sah hinüber zum Kleiderschrank, der am anderen Ende des Zimmers stand. Dort saß mein Kaninchen. Nicht direkt leibhaftig, aber schon sehr real, nur ganz leicht durchschneinend. Schwer zu beschreiben. Er bemerkte, dass ich ihn ansah und kam auf mich zugehoppelt. Ich lag ja nun im Bett auf der Seite. Zu Lebzeiten war er nie von sich aus in das Bett gesprungen. Aber in dieser Nacht tat er es. Er hüpfte hoch, krabbelte an meinem Gesicht vorbei und legte sich dann wie eine Art Helm so nackenkissenförmig um meinen Kopf, indem er die Hinterbeine seitlich ausstreckte und der Kopf zu mir rum kam. Er machte es sich regelrecht auf meinem Kopfkissen bequem.
Statt bewusst mit ihm zu kommunizieren - ich war völlig perplex - schloss ich dann auch wieder die Augen. Die Fratze war weg und mit ihr scheinbar eine Erinnerung oder irgendein Wissen. Da war eine Lücke, aber ich wusste nicht, was mir fehlte, weil ich mich ja nicht daran erinnern konnte. Ich dachte einfach nur daran, dass mir jetzt irgendetwas sehr wichtiges genommen worden war.
Jedenfalls beruhigte mich mein Kaninchen so weit, dass ich ohne es zu merken wieder einschlief.

Am nächsten Morgen in der Schule erzählte ich die Begebenheit einer Freundin. Als ich die Fratze beschrieb, sagte sie nur wissend: Das war ein Seelensucher. Ein nichtmenschliches Wesen, das in Seelen blickt und nach irgendetwas sucht, das es dann mitnimmt. Weil sie mir auch von eigenen paranormalen Erlebnissen berichtet hatte, glaubte ich ihr - hatte auch keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Sie betonte, dass man den Seelensucher eben an den blauen Augen erkenne. Hätte er eine andere Augenfarbe gehabt, so wäre es kein Seelensucher gewesen. Ich weiß, dass sie Recht hatte. Denn wie gesagt, ich wusste, dass er etwas mitgenommen hatte.

Das Ende vom Lied war nur, dass ich nach diesem Seelensucher via Suchmaschine gesucht hatte, um herauszufinden, ob noch andere Leute von einer solchen Begegnung berichtet hatten. Ich glaube, ich habe irgendwann auch hier im Forum nachgefragt, aber auch an anderen Stellen. Niemand wusste je mit dem Begriff was anzufangen. Aber ich weiß, die Hand war real, die Fratze war real und die Seele meines Kaninchens hat mich vor den negativen Entitäten beschützt und beruhigt.

Es gab in diesem Zusammenhang einige Zeit danach einen kleinen "Zwischenfall". Ich hatte mir wieder aus der Zoohandlung ein neues Kaninchen geholt, ebenfalls ein Männchen. Zu der Zeit hörte ich auch sehr viel Schandmaul, kannte die Songtexte auswendig. Plötzlich wachte ich nachts auf und hörte wie eine Art Gedanke, der aber nicht von mir kam, im Kopf ein bestimmtes Lied, das ich immer mit meinem verstorbenen Kaninchen assoziiert hatte. Es heißt "Zauber der Nacht" und ist eigentlich ein Liebeslied. Darin kommen die folgenden Zeilen vor:
"Oh mein Zauber,
Besuche Sie im Schlaf!
Und dann flüstere,
Ihr meine Sehnsucht Zart!
Gehe, Eile,
Sei schneller als der Wind!
Mein Zauber,
Sie ist nur für mich bestimmt!"
Eben jene hörte ich da auch, wovon ich anscheinend wach wurde. Mein Freund schlief neben mir und merkte nichts. Ich fühlte mich wieder beobachtet und sah zu meinem neuen Kaninchen. Er saß auf dem Häuschen und starrte mich an. Es klingt echt skurril, aber er hat sich telepathisch irgendwie mit dem Verstorbenen unterhalten und ich hörte ihn ganz klar "Sie gehört mir" sagen/denken.
Das ging noch kurz so, dann entspannte er sich und legte sich hin. Das Lied hörte ich nicht mehr, ich wusste aber, dass sich mein verstorbenes Kaninchen bei mir auf diese Weise verabschiedet hatte. Ich hatte noch mehrere Kaninchen danach, aber zu keinem je wieder so eine Bindung wie zu meinem ersten.



Geschrieben von SabSab am 30.06.2018 um 17:54:

  RE: Meine erste Tierfreundschaft

Liebe Sora, was fü eine schöne Begebenheit smile Du kannst Dich glücklich schätzen so einen tollen Seelenverwandten in Form eines Kaninchens gehabt zu haben. Den Begriff Seelensucher kannte ich noch nicht. Oooooh! echt unheimlich. Aber lustigerweise kann ich ihn mir bildlich ziemlich gut vorstellen Keine Ahnung



Geschrieben von jigoku_sora am 30.06.2018 um 19:45:

 

Schön war es, das stimmt. smile Alles in Allem war mir trotzdem unwohl dabei, weil ich damals noch nichts über das Paranormale wusste. Mir war klar, dass es real war, aber dennoch so erschreckend fremd.
In all der Zeit habe ich noch andere Tiere besessen/gepflegt und mit keinem ist je etwas wirklich paranormales passiert. Selbst meine 4 Katzen, die alle für Telepathie sehr empfänglich sind, zeigen keine nennenswerten Auffälligkeiten. Zumal ich heute solche Begebenheiten vielleicht heraufbeschwören oder wenigstens beeinflussen könnte, das war damals alles außerhalb meiner Kontrolle.



Geschrieben von SabSab am 30.06.2018 um 22:38:

 

Naja bei Deinem Hasen war es ja quasi Liebe auf den ersten Blick.

Dass das mit dem Seelensucher unheimlich war, kann ich mir natürlich vorstellen. War mit Sicherheit schlimm. Aufstehen wäre nicht gegangen? Oder warst Du dazu nicht fähig, weil Du quasi in einer Art Paralyse warst?



Geschrieben von DarkRabbit82 am 04.07.2018 um 21:02:

 

Ich war so gerührt und entzückt und konnte nach dem Lesen dieser Begebenheit endlich meine Tränen loswerden:

Meine geliebte Häsin ist Montag Morgen an einer Infektion durch den Biss in ihrer Unterlippe durch ihren neuen Gefährten aus dem Tierheim gestorben. Alles eine sehr tragische und traurige Geschichte, bei der ich mir sehr viele Vorwürfe gemacht hab.

Auch wir beide hatten eine starke Verbundenheit. Ihr Bruder ist vor zwei Jahren gestorben und beide waren täglich am kuscheln. Nun kann sie ihren Bruder endlich wiedersehen.



Geschrieben von jigoku_sora am 05.07.2018 um 01:14:

 

Zitat:
Original von SabSab
Naja bei Deinem Hasen war es ja quasi Liebe auf den ersten Blick.

Dass das mit dem Seelensucher unheimlich war, kann ich mir natürlich vorstellen. War mit Sicherheit schlimm. Aufstehen wäre nicht gegangen? Oder warst Du dazu nicht fähig, weil Du quasi in einer Art Paralyse warst?


Ich war hundemüde, es war ja mitten in der Nacht und auch wenn ich geistig einigermaßen da war, so war es mein Körper noch lange nicht. Ich würde nicht sagen, dass ich paralysiert war, aber wenn ich aufwache, brauche ich immer grundsätzlich ein paar Minuten, bis ich mich richtig bewegen kann. Damals wollte ich das ja auch nicht wirklich, denn wie gesagt, ich wollte einfach nur schnell wieder einschlafen. Es war mitten in der Woche und die Schule ging früh los, da konnte ich mir Verzögerungen eh nicht leisten.
Ich dachte auch nicht daran, aufzustehen. Ich dachte halt, ich bilde mir den Seelensucher nur ein, eine Art Alptraum... Aber als ich die Augen schloss und wieder öffnete und er bei jedem schließen wieder da war, zweifelte ich dann schon an der Traum-Theorie. Ich spürte schon irgendwie, dass da etwas reales war, das nicht sein durfte. Das ganze zog sich auch nur über ein paar Minuten hin, von daher habe ich glaube ich nicht so wahnsinnig viel nachgedacht.

Ob es Liebe auf den ersten Blick war? Ich denke, es war etwas viel tiefgreifenderes, das uns verband. Irgendeine Art höheres Wissen oder sonstwas. Es war in jedem Fall eine völlig irrationale Entscheidung. Ich wusste nur, er muss es sein und sonst keiner, andere Gedanken hatte ich damals nicht. Naja, mit 10 denkt man da vielleicht auch nicht so intensiv drüber nach...

@ Rabbit
Es tut mir Leid, dass du sie verloren hast. Das ist unbeschreiblich traurig, sicher schmerzhaft... Aber in der Tat ist es auch sehr schön auf eine solche Weise verbunden zu sein. Jedem Tierhalter passieren Fehler, aus denen man lernt. Es kommt mehr darauf an, wie man damit umgeht und welche Konsequenzen man zieht. Ist jetzt nicht vergleichbar, nun, ich hab zwei schwarze Katzen und sitze hier im Halbdunkel, während sie fressen. Dachte grade, der Kater würde meiner Katze das Futter klauen und hab sie etwas unsanft vom Napf weggeschubst, bis mir grad aufging, dass ich die Falsche im Verdacht hatte... Selbst sowas ist ärgerlich (im Ernst, auch über so Kleinigkeiten denke ich manchmal noch lange nach und sowas kann mich lange beschäftigen).

Ich glaube, bei dir muss man sich keine Sorgen machen, dass du die Fehler, die du selbst siehst, versuchst in Zukunft zu vermeiden. Mit Sicherheit war das alles nicht schön. Zumindest muss sie nicht mehr leiden.
Wünsch dir alles Liebe. Irgendwann wirst du nur noch an die schönen Zeiten denken. Ich hab hier noch Bilder von damals. Wenn ich aus der ganzen Sache eins gelernt hab, dann, dass man seine Haustiere oft fotografieren sollte. Die Zeit vergeht so schnell...



Geschrieben von DarkRabbit82 am 05.07.2018 um 01:25:

 

Danke!

Das auf alle Fälle... ich habe so viele Bilder von meinen Kaninchen: Sogar eine Fußmatte mit einem Bild bedrucken lassen, wo sie noch mit ihrem Bruder drauf ist


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