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Geschrieben von nebelwandler am 10.03.2019 um 09:31:

  Jean-Joseph Surin

Jean-Joseph Surin SJ (* 9. Februar 1600 in Bordeaux; † 22. April 1665 ebenda) war ein französischer Mystiker und spiritueller Schriftsteller. Bereits mit acht Jahren legte er ein Keuschheitsgelübde ab, als Zwölfjähriger trat er nach einer Vision der Wesensschau Gottes in das Jesuitenkolleg ein. 1626 wurde er zum Priester geweiht. Von 1634 bis 1637 wirkte er als Exorzist bei angeblich besessenen Ursulinen in Loudun und wurde, wie er 1635 in einem Brief schrieb, dabei selbst Opfer der Besessenheit:

„Ich bin mit vier der bösartigsten Teufel in den Kampf getreten. Die Sache ist so weit gediehen, wie ich glaube wegen meiner Sünden, dass der Teufel den Körper der Besessenen verlässt, in meinen herüberfährt, mich zu Boden wirft und mehrere Stunden unter den heftigsten Bewegungen bearbeitet. Ich kann nicht beschreiben, wie dieser Geist sich mit dem meinigen vereinigt, ohne mir jedoch das Bewusstsein der Seele zu rauben, als ob ich zwei Seelen hätte. Beide Geister kämpfen auf demselben Gebiete im Körper. Das Geschrei aus meinem Munde kommt gleichmäßig von beiden Seelen. Wenn ich im Antriebe der einen Seele das Zeichen des Kreuzes auf meinem Munde machen will, so hält die andere mit der größten Schnelligkeit mich davon zurück und bringt mir die Finger zwischen die Zähne, um sie voll Wut zu beißen. Wenn ich sprechen will, bleibe ich stecken. Bei Tische kann ich keinen Bissen zum Munde führen, bei der Beichte vergesse ich alle meine Sünden...“

Die Beeinträchtigungen, die Surin erfuhr, hielten über zwanzig Jahre an. Er verlor unter anderem für sieben Monate seine Stimme, konnte nicht lesen, nicht schreiben, sich nicht selbständig ankleiden und wurde sogar zum Selbstmord gedrängt:

„Er empfand Versuchungen zum Selbstmord und unternahm sogar einen ernsthaften Versuch; er hatte einen grenzenlos ungestümen Trieb sich zu töten. Selbst, wenn er das Bewusstsein hatte, irgendetwas Gutes zu tun, glaubte er, gegen Gott ungehorsam zu sein, indem er aus der Reihe der Verdammten heraustrat, für die er bestimmt war.“

Er betete jedoch beständig und erlebt immer wieder Momente der Befreiung, z. B. beim Betreten der Kanzel, dem Kreuzzeichen oder dem Niederschreiben und Diktieren seiner Schriften, z. B. seines Hauptwerkes, des Catéchisme spirituel. Ab 1656 vermochte er wieder zu predigen; acht Jahre vor seinem Tod soll er geheilt worden sein.


Quellen:

Wikipedia

Leander Petzoldt: Besessenheit in Sage und Volksglauben. In: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 15/16 (1965), S. 76-94, hier 86-87.


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