GespensterWeb Forum

Registrierung Mitgliederliste Teammitglieder Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

Forenregeln Nutzungsbedingungen Datenschutzerklärung Impressum

Unsere Partner Ghosthunter:

Zur Webseite von AnDaPaVa Zur Facebookseite von Ghost Scientist Sebastian Kuhn Zur Webseite von Team Ghost Hunter Zur Webseite von Ghosthunter NRWUP & RLP


GespensterWeb Forum » ~ SAGEN & MYTHEN ~ » Sagen & Mythen - Deutschland » Die Sage von der Rehbergerklippe » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Die Sage von der Rehbergerklippe
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
nebelwandler nebelwandler ist männlich
Irrlicht



images/avatars/avatar-9248.jpg

Dabei seit: 01.03.2019
Beiträge: 112

Level: 22 [?]
Erfahrungspunkte: 44.400
Nächster Level: 49.025

4.625 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg

Die Sage von der Rehbergerklippe Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

An der Wand des Rehberges läuft einige Stunden lang ein Weg hin und schmiegt sich seinen zufälligen Biegungen an. Links rauscht, zwischen behauenen Granitblöcken eingeengt, der Rehbergergraben. Gerade über demselben ragen die wilden Gebirgsmassen jenes Berges empor, während sich rechts das Gebirge jäh hinabstürzt und ein Thal bildet, dessen dunkle Waldesnacht der Blick des Wandrers kaum zu ergründen vermag und in dessen Tiefe die wilden Wellen der Oder brausen. Schäumend stürzen sie sich über herabgefallene Felsenstücke, umtosen schauerlich das zackige Geklipp und umranken mit wogenden Armen das höhere Gestein, während weißer Schaum himmelan sprützt. Bei jeder Wendung auf jenem Wege gewahrt der Wandrer immer neue, immer gleich wilde Gebirgsansichten, unter denen die Rehbergerklippe ein wahres Schweizerstück genannt zu werden verdient.

Gleich hinter dem rauschenden Graben strecken sich seine starren, gigantischen Zacken in furchtbarer Höhe zu dem Himmel empor und die über einander gestürzten Granittrümmer mit gelben und grauen Flechten, schwarzglänzenden Beeren und purpurnen Blumen des Fingerhuts geschmückt, gewähren ein ergreifendes Bild der furchtbarsten Zerstörung. Im Hintergrunde aber steht trotzig und kühn der mit himmelanstrebender finsterer Tannenwaldung bedeckte Hahnenklee, ein mächtiger Bergriese, dessen vielfach zerklüftete Felsen Verderben drohend auf das darunter liegende Thal herabblicken.

Eine Sage, der düstern, wilden Gegend angemessen, haftet an dieser Felsenwand des Rehberges.
In den grauen Tagen der Vorzeit hauste in dieser Wildniß ein gewaltiger Nimrod, hart und rauh wie der Felsen, auf welchem seine Wohnung stand. Das blutige Weidwerk war seine Lust und täglich jagte er mit seinem Troß durch den Wald, daß von dem Klaffen der Hunde und dem Schall der Hörner das Gebirge widerhallte und die tausendstimmigen Echo wach wurden in den Geklüften der Felsen. Selbst der Gottesfrieden des Sonntags war nicht vermögend, die Mordlust des Jägermannes zu zügeln und ihn an der Verfolgung der schlanken Thiere des Waldes zu hindern. Ein frommer Einsiedler ermahnte ihn oft, nicht mit seinem Gelärm die friedliche Stille des Sabbaths zu stören; aber die Worte des Greises fanden das Ohr des Weidmannes verschlossen und vom Spott und Hohngelächter des Unholdes begleitet, schlich der Eremit betrübt nach seiner Klause zurück.

Der Abend eines schönen, blauen Oktobersonntags senkte sich auf das Gebirge hernieder; die Gipfel der dunkeln Tannen auf Felsensteinen und Bergspitzen tauchten sich in den goldnen Glanz des Abendrothes; auf der ganzen Gegend lag ein tiefes Schweigen, nur die Wellen der Oder murmelten in der Ferne ihr ewiges Lied; nur das scheue Wild verließ sein sicheres Versteck, trat vorsichtig, mit leisen, langsamen Schritten aus dem Gebüsch und suchte zwischen den feuchten Kräutern des Bodens die würzige Nahrung.

Da ertönte plötzlich das Getöse der Jagd in der Ferne, die friedlich äsenden Thiere flohen scheu in das Dickicht zurück und mit jeder Sekunde mehrte sich das Lärmen. Ein schneeweißes Reh flog mit der Schnelligkeit des Windes über die Berge, verfolgt von Jägern zu Fuß und Roß, und umringt von der klaffenden Meute der blutgierigen Hunde. Der Boden erdröhnte unter den Hufen der muthigen Pferde und unter den Tritten der keuchenden Menschen, die Berge hallten wieder vom wilden Halloh der Reiter, von dem Knallen der Peitschen und dem Klirren der Waffen. Das gehetzte Reh stöhnte und entrann nur mit Aufbietung der letzten Kräfte den wüthenden Verfolgern.

Keuchend nach den steilsten Zinken
Fliegt es, nach dem höchsten Grat,
Wo die Felsen jäh versinken
Und verschwunden ist der Pfad;
Unter sich die steile Höhe,
Hinter sich des Feindes Nähe.

Das edle Thier stand athemlos an dem Abgrunde, der noch jetzt nach ihm die Rehbergerklippe genannt wird und schreckte zitternd vor dem unbekannten, schwarzen Schlunde zurück. Und lauter als zuvor donnerte der wilde Jagdruf, in immer gefährlicherer Nähe tönten die Hörner, gieriger fielen die Rüden ihre Beute an und von Todesangst gepeinigt wagte das Reh den gräßlichen Sprung und stürzte sich in die schaurige Tiefe hinab.

Da entstand plötzlich ein seltsames Licht, ein blendender Glanz umschimmerte das gequälte Thier und unsichtbare Engelshände trugen es sanft hinab in das sichere Thal. Die Jäger aber, sammt Rossen und Hunden, wurden von magischer Gewalt getrieben, dem Thiere nachzufolgen. Von den Felszacken herab stürzte der ganze Troß in die Tiefe und große Granitblöcke und hohe Fichten sanken ihm nach und begruben die zerschmetterten Leichname in ewige Nacht.

Von jener Zeit an nun ist es nicht geheuer in diesen Bergen und der Fuß des einsamen Wandrers eilt scheu vorüber, wenn das Gestirn des Tages in fernem Westen erloschen ist und die Nacht auf ihrem schwarzen Rosse durch das Gebirge jagt. Denn zur Stunde der Mitternacht, wenn der Uhu mit schwerem Fittig über dem Thale schwebt, wenn das Gekreisch der Nachtvögel aus den Spalten der Felsen ertönt, wenn das phantastische Mondlicht die dürren Stämme der Bäume in graue gespenstige Gestalten umwandelt, – da huschen, wie Geister der Nacht, riesige Jägergestalten durch das Gebüsch, es beginnt in der dunkeln Nacht der Tannen zu flüstern und zu brausen und ein dumpfes Getöse rauscht heran wie schwellende Meereswellen.

Und von dem hohen Berge
Da zieht der Jäger aus,
Und mit ihm Riesen, Zwerge,
Viel Spuk und Höllengraus.

Da schwanken Schreckgestalten
Mit Schwertern und Geschoß,
Durch Zweig' und Felsenspalten,
Zu Fuß und hoch zu Roß.

Hier grinsen Wuthgesichter,
Dort droht ein langer Arm,
Hier formenlos Gelichter,
Dort Wolf und Bärenschwarm *).


*) Nach C. Duval in Thüringen und der Harz.


(Wilhelm Görges)
21.11.2019 21:07 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
GespensterWeb Forum » ~ SAGEN & MYTHEN ~ » Sagen & Mythen - Deutschland » Die Sage von der Rehbergerklippe

>>> Zurück nach oben <<<


ForenregelnNutzungsbedingungenImpressumDatenschutzerklärung




GespensterWeb © 2001 - 2018
Neustart nach Reset im Juni 2018

Alle Dokumente auf dieser Website (Forum) unterliegen Copyrights.
Die unerlaubte Verwendung von Texten oder den hier abgebildeten Fotos und Videos ist deshalb nicht gestattet.

All documents on this website are subject to copyrights.
An unauthorised usage of either the text or any photos and videos will be prosecuted.

Das GespensterWeb-Team distanziert sich von den Inhalten der Beiträge der Besucher des Forums.
Weder ein Team-Mitglied, noch der Betreiber des Forums
kann für einen nicht selbst erstellten Beitrag haftbar gemacht werden.
Die Haftung und Verantwortung bleibt immer und allein beim Ersteller des Postings.


Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH

© Forendesign by GespensterWeb