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Zum Ende der Seite springen Der Hübichenstein
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Irrlicht



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Der Hübichenstein Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Der Hübichenstein

Bei Grund am Winterberg steht der Hübichenstein, eine Gypsklippe, deren eine Spitze, der große Hübichenstein, ehedem noch viel höher war, aber vor mehreren Jahren schon zum Theil herabgestürzt ist; dieser Hübichenstein soll, wie Einige sagen, schon zur Zeit der Sündfluth hierher gekommen sein, Andere aber sagen, es sei ein großer Knorpel, den ein Riese im Schuh gehabt, und da er ihn drückte, hier herausgeworfen hat. Rings um den Felsen befinden sich zahlreiche Erdfälle und dicht unter dem großen Hübichenstein liegt eine tiefe Höhle, in die geht's fast senkrecht hinunter; sie ist so tief, daß noch Keiner gewagt hat ganz hinabzusteigen. In diesem Stein nun haben vor alter Zeit die Zwerge gewohnt und in der großen Höhle unter demselben hat der Hübich oder Gübich, der König dieser Zwerge, seine Wohnung gehabt. Der hat sich vor langen Jahren noch oft da sehen lassen, als aber die Jagd dort stärker betrieben worden, da hat er sich immer mehr zurückgezogen, und als gar einmal einer nach ihm geschossen, ist er ganz fortgezogen, Niemand aber weiß, wo er geblieben ist. In der Höhle soll noch zum Andenken das Bild eines Zwerges in Stein gehauen zu sehen sein, aber nicht Jeder kann es finden.

Der Gübich ist aber rauh von Haar wie ein Bär und hat ein sehr altes Gesicht. So hat er sich vor alten Zeiten den Leuten gezeigt. Wem er gut gewesen ist, dem hat er vielen Reichthum bescheert, aber wer ihn beleidigt oder sonst seinen Zorn erregt hat, dem hat er manches Ungemach zugefügt. Er hat auch alle heilsamen Kräuter auf dem Harze gekannt und Manchem dadurch zur Gesundheit verholfen, aber hat niemals zugeben wollen, daß Jemand auf den Hübichenstein gestiegen ist. Er ist eigentlich von kleiner Statur, kann sich aber sehr ausrecken. Früher hat er alle hundert Jahre einmal auf die Oberwelt kommen dürfen; jetzt darf er nicht mehr.


(Johann Georg Theodor Grässe)



Die silbernen Tannenzapfen auf dem Hübichenstein

Vor langen, langen Jahren da wohnte in der Bergstadt Grund ein Bergmann, der hatte in dem Schranke in seiner Stube einen Tannenzapfen stehen von lauterem Silber, so natürlich wie ein gewachsener. Wie er aber dazu gekommen, hat er Vielen erzählt. Nämlich sein Urgroßvater ist ein Bergmann gewesen, der ist einmal krank viele Wochen lang und es ist theure Zeit gewesen und Gnadenlohn haben die Bergleute zu dieser Zeit noch nicht bekommen, wenn einer krank war, denn das ist später erst aufgekommen. Er hat aber sieben lebende Kinder gehabt, da ist's nun kärglich zugegangen mit dem Brode und mit Allem und er und seine Frau haben fast den Muth verloren.

Einmal steht die Frau des Morgens vor der Hausthür und denkt, wo sie heute wohl Brod herbekommen soll für die Kinder. Da denkt sie: Sollst nur hingehen und eine Kiepe voll Tannäpfel im Walde sammeln und verkaufen, es giebt doch etwas. Und so macht sie sich auf den Weg. Wie sie auf dem Wege zum Holze ist und über ihr Schicksal nachdenkt, da kommen ihr die Thränen in die Augen und sie setzt sich am Wege nieder und hält die Hände vor's Gesicht. Nach einer Weile denkt sie, es kann doch nicht helfen, du mußt aufstehen, sonst müßt ihr betteln gehen; und wie sie eben in die Höhe sieht, da steht vor ihr ein altes Männlein mit eisgrauem Barte und ist ganz wunderlich angethan und hat sie lange betrachtet. Das Männlein fragt, was ihr fehle? Sie sagt, er könne ihr doch nicht helfen. Er ist aber freundlich und sagt: Man traue ja Manchem nicht zu, was er könnte, und sie möchte ihm nur getrost sagen, was ihr fehle.

Da bekömmt sie Muth und sagt ihm Alles heraus: daß ihr Mann nun schon so lange krank ist und daß sie sieben lebende Kinder hat und kein Brod im Hause, daß sie schon Alles versetzt und verkauft hat und die Leute sie nicht länger im Hause leiden wollen; deshalb wolle sie nun eine Tracht Tannäpfel suchen und Brod kaufen. Das Männlein mit dem grauen Bart tröstet sie: sie solle nur nicht verzagen, es würde noch Alles recht gut gehen, und wenn sie gute Tannäpfel haben wolle, so solle sie nur nach dem Hübichenstein gehen und sich nicht fürchten, und bietet ihr einen guten Morgen und geht in's Gebüsch am Wege.

Die Frau aber geht nach dem Hübichenstein. Da setzt sie nun ihre Kiepe auf den Boden und sucht Tannäpfel. Wie sie nun anfängt zu suchen, da fallen ihr die Tannäpfel von allen Seite zu, rechts und links, von oben und aus allen Büschen heraus. Da denkt sie nun schon, es hätten sich Buben versteckt am Hübichenstein und die wollten sie foppen und das kleine Männchen hätte Schuld daran. Sie hebt also ihre Kiepe wieder auf und flüchtet, denn sie will sich doch nicht die Augen auswerfen lassen. Das hätte sie nun freilich nicht nöthig gehabt, denn die Tannäpfel fallen alle in die Kiepe, aber wer so betrübt ist, der hat auch nicht auf Alles Acht. Und so geht sie weg vom Hübichenstein und kommt an eine andere Stelle. Da füllt sie ihre Kiepe, hat nicht viel mehr nöthig gehabt hineinzulesen. Darauf geht sie heim. Aber die Kiepe wird ihr immer schwerer und schwerer, und sie muß gar zu oft ruhen, ehe sie heimkommt; das kommt ihr wunderlich vor, aber sie denkt doch noch an nichts.

Wie sie heimkommt und geht in den Holzstall und will die Kiepe ausleeren und dann wieder ins Holz, da fallen lauter silberne Tannäpfel heraus, daß sie ganz starr wird vor Verwunderung. Aber die Tannäpfel will sie nicht behalten, denn sie meint, das gehe nicht mit rechten Dingen zu, und wer weiß, denkt sie, ob der kleine Kerl nicht der Satan gewesen ist. Also geht sie zu ihrem Manne in die Stube und erzählt ihm, wie es ihr gegangen ist und beschreibt ihm das Männchen und fragt ihn, ob das wohl mit rechten Dingen zugehe, und ob sie die Tannäpfel behalten dürfe. Da sagt ihr der Mann, daß sie Alles behalten dürfe und daß der kleine Kerl der Gübich gewesen sei, der hätte auch schon andern armen Leuten geholfen.

Am andern Morgen läßt's ihr keine Ruhe. Sie muß erst nach dem Holze gehen, vielleicht daß sie den Gübich wieder trifft, so will sie sich bei ihm bedanken. Richtig, wie sie wieder an die Stelle kommt, ist das Männlein mit dem eisgrauen Barte wieder da und fragt, ob sie gestern nicht schöne Tannäpfel gefunden hätte? Wie sie ihm aber anfängt zu danken und wie sie nun aus aller ihrer Noth gerettet wäre, da lacht der Gübich und giebt ihr ein Büschel Kräuter, davon solle sie ihrem Manne einen Trank kochen, so würde er schon gesund werden; und darauf geht er wieder in's Gebüsch am Wege. Die Frau aber geht heim und bereitet den Trank, und von der nämlichen Stunde an wird der Mann gesund und sie haben noch lange mit einander glücklich gelebt. Das Silber haben sie in die Münze gebracht und haben unmenschlichen Reichthum davon gehabt und vielen armen Leuten Gutes gethan, aber einen von den Tannäpfeln haben sie zum ewigen Andenken aufgehoben. Das ist der Tannapfel, den der Bergmann in dem Schranke stehen gehabt hat.


(Johann Georg Theodor Grässe)



Die Ersteigung des Hübichensteins

Auf dem Försterhause in Grund wohnte vor alten Zeiten einmal ein Förster, der hatte seine Frau früh verloren und nur noch einen einzigen Sohn. Der soll ein recht geschickter und auch recht guter Bursche gewesen sein, nur ein Bischen zu vorwitzig, wie nun die Jugend ist. Einmal geht der Förstersohn mit seinen guten Freunden in's Holz spazieren. Wie sie nach dem Hübichenstein kommen, kommt das Gespräch auf diesen Felsen, wie hoch er ist, und Einer sagt, den wolle er sehen, der da hinaufsteigen könne. Da sagt der Förstersohn, das wäre nichts und er wage es, die Andern aber riethen ihm ab. Denn wenn einer hinaufgestiegen ist, hat er nicht wieder herabgekonnt und am andern Tage zerschmettert unten gelegen. Aber der Förstersohn glaubte nicht daran, lachte und sagte, nun wolle er es erst recht thun. Er ließ sich nicht halten, was die Andern auch angeben mochten, und stieg hinauf. Mag ihm wohl sauer genug geworden sein. Denn was man jetzt den kleinen Hübichenstein nennt, der ist vor alten Zeiten viel höher gewesen als der, den man jetzt den großen Hübichenstein nennt, und hat deshalb auch der große geheißen.

Wie er oben steht, lacht er seine guten Freunde aus und spottet und sagt, sie wären so klein wie die Zwerge. So hat er eine ganze Weile gestanden. Da fängt der Wind an zu gehen, und er denkt: sollst nun wieder heruntersteigen. Er hat aber nicht wieder hinuntergekonnt, hat nicht einmal die Füße regen können; und unten die Leute konnten ihm nicht helfen, und zuletzt bat er seine guten Freunde, sie möchten ihm doch nur die einzige Gnade erweisen und ihn herunterschießen, daß er nicht lebendig hinunterstürzen müßte. Aber das mochte doch auch Keiner thun. Nun hört auch sein Vater davon, weil alle Leute aus Grund hinausrennen und sehen wollen, ob's wahr ist, und Andere kommen wieder und sagen: es ist wahr. Da geht der alte Förster auch hinaus und sieht mit seinen eigenen Augen seinen Sohn auf dem großen Hübichenstein stehen und kann ihm auch nicht helfen und weint und rauft sich die Haare und ist fast von Sinnen vor Betrübniß, aber das half Alles nicht.

Am Ende, wie es Abend wird, wird der Himmel voll Wolken und der Wind hebt an zu pfeifen und es regnet, daß kein Mensch davor bleiben kann. Da haben die Leute den alten Förster mit Gewalt nach Hause weggeführt. Wieder zu Hause, denkt er: »Was kann's helfen? Du bist doch einmal ein geschlagener Mann und du erweisest deinem Kinde nur eine Wohlthat und der liebe Gott wird dir's vergeben.« Da nimmt er sein bestes Gewehr und macht sich auf den Weg nach dem Hübichenstein. Wie er aus Grund hinaus ist, hört auf einmal der Regen auf, nur über Grund regnet's in Strömen. Sonst ist Alles hell und der Mond scheint recht klar. Auf dem Wege zum Hübichenstein hebt er an zu weinen und zu beten und ist ganz hin vor Herzensangst und Betrübniß. Da ist auf einmal ein kleines Männlein bei ihm mit einem eisgrauen Bart, das geht an einem Tannenzweig. Das Männlein sagt: »Glück auf!« und fragt, ob er denn noch so spät ins Holz müßte? Der Förster erschreckt, hat aber nicht Lust zu sagen, wohin er will und was er vorhat. Da fragt ihn das kleine Männlein, warum er denn immer seufze und was ihm denn fehle, daß ihm die Thränen immer über die Wangen liefen? er sollte doch nur sein Herz aufschließen, es könnte ja noch Alles gut gehen. Darüber wird der Förster zutraulich und sagt: wenn er's noch nicht wüßte, er wäre der Mann, dessen Sohn jetzt auf dem Hübichenstein stehen müßte. Der Satan hätte ihn verführt, daß er hinaufgestiegen sei. Und sein Sohn hätte alle Menschen um Gottes Willen gebeten, sie möchten ihn doch herunterschießen, aber Keiner wäre so barmherzig gewesen. So wollte er's thun. Denn das, meinte er, würde ihm doch Gott nicht als Sünde anrechnen. Ob er denn warten sollte, daß sein leiblich Kind lebendig herunterstürzen und elendiglich seinen Geist aufgeben sollte? So käme er doch schneller und ohne Schmerzen von der Welt. Und darauf fängt et wieder an zu jammern und sagt, er hätte das doch nicht um seinen Sohn verdient, er hätte ihn mit saurer Mühe aufgezogen und zu Kirchen und Schulen gehalten, und er wäre doch auch sonst so gottesfürchtig gewesen und hätte kein Kind betrübt und nicht einmal das Würmchen zertreten mögen. So wollte er doch lieber, daß er mit seiner Frau gestorben wäre, als daß er das Unglück erleben müsse, nun so verlassen zu sein im Alter und keinen Sohn zu haben, der ihm einmal die Augen zudrücke.

Das ist dem Männlein zu Herzen gegangen, aber wie der Förster noch spricht, ist auf einmal das Männlein verschwunden. Da sieht nun der Vater die Spitze des Hübichensteins, steht unten und legt an auf seinen Sohn. Der ruft und bittet ihn, er möchte nur zuschießen; et fürchte sich nicht, wenn er nur gleich von der Welt käme. Der Förster denkt, er will losdrücken, da kommen mit einem Male tausend kleine Männlein aus allen Hecken und Büschen hervorgesprungen. Die machen sich an ihn und werfen mit Tannenzapfen auf ihn und schneiden ihm Gesichter zu und schlagen ihn mit Heckbüscheln und Dornsträuchern um die Beine. Und wie er sich wehren will, wird's immer ärger und fangen kann er keinen, sie sind zu flink. Und mitten dazwischen steht das kleine Männlein mit dem eisgrauen Bart und treibt die andern an. Endlich sieht der Förster, daß er nichts ausrichten kann und muß umkehren nach Hause.

Wie er fort ist, da wird's auf einmal laut am Hübichenstein hinauf, und es kommen allenthalben am Gestein viel kleine Männlein herauf, alle auf eisernen Fahrten [Leitern], die gehen von unten bis oben hin und Jeder hat ein messingnes Grubenlicht in der Hand, einige sind jung, andere alt und rauh von Haar wie ein Bär. Der Erste, der heraufkommt, ist ganz alt, mit eisgrauem Bart, der geht ihm bis an die Brust, in der Hand hat er ein silbernes Grubenlicht, das scheint wie die helle Sonne, und auf dem Haupte eine goldene Krone, und der hat den Andern befohlen und ist der König. Das ist der Gübich gewesen. Der spricht oben zum Förstersohn: »Wer hat Dich geheißen auf meinen Stein steigen? Eigentlich müßte ich Dich herunterstürzen lassen und einem Andern sollte es nicht so hingehen. Aber Dein Vater dauert mich, weil er ein braver Mann ist.«

Darauf bannt ihn der Gübich wieder los und sagt, er solle nur auf der Fahrt da hinuntersteigen. Dem Förstersohn brechen fast die Kniee. Da ruft der Gübich ein anderes Männlein heran, dem muß er sich auf die Schultern setzen, das trägt ihn ganz säuberlich hinunter, daß der Förstersohn sich wundern muß über die Kraft des Männleins. Wie sie unten angekommen sind und der Zwerg hat den Förstersohn abgesetzt, faßt ihn der Gübich bei der Hand und führt ihn in sein Schloß unter dem Hübichenstein. Da kommen sie in ein Zimmer, darin blitzen die Wände von Stuferz, die Decke ist von einem Stück Schwerspath weiß wie Schnee, und von der Decke hängt ein großer Kronleuchter herab, ganz von Krystallen und Edelgestein, größer als im Goslarschen Zehnten, und der Fußboden ist mit grünen Tannenzweigen überstreut und die Paneele glänzen nur so von Gold und Edelgestein.

Und mitten in der Stube steht ein Tisch von Glaskopf und ein silberner Stuhl davor. Darauf setzt sich nun der Zwergkönig, sagt zu dem Förstersohn, er solle sich auch setzen und schlägt mit dem silbernen Schlägel gegen den Tisch von Glaskopf. Der giebt einen Ton von sich, so köstlich, wie man's in der Welt nicht hört. Da kommen tausend kleine Frauenbilder herein, die tragen Erdbeeren und Himbeeren auf, und der Gübich sagt zu dem Förstersohn, er solle davon nehmen. Also sprechen sie zusammen, und die andern Frauenbilder und Männlein machen Musik dazu. Wie die Mahlzeit zu Ende ist, schlägt der Gübich wieder mit dem silbernen Fäustel an den Tisch von Glaskopf, und wie der köstliche Ton wieder erklingt, da tragen die kleinen Frauensbilder Krüge herein von lauterm Silber; und der Gübich sagt zu dem Förstersohn, er solle Bescheid thun. Der sagt: »Glück auf!« und thut seinen Zug. Aber so Herrliches hat er im Leben nicht getrunken. Wie nun der Förstersohn sich so erquickt hat, führt ihn der Gübich in eine andere Stube. Da steht eine große Braupfanne voll lauter Wildemännergulden, blitzblank, als wenn sie erst aus der Münze gekommen wären.

Der Gübich sagt, das wäre sein Reichthum, den müßten ihm seine Unterthanen verschaffen, und er hätte ja schon manchem Armen davon Gutes gethan und wäre nicht der Menschen Feind. Aber in Frieden müsse man ihn lassen; und dergleichen hat er ihm noch viel gesagt. »Willst Du mir nun einen Gefallen thun«, sagt er, »so soll's Dich nicht gereuen. Nämlich so lange wie der große Gübichenstein (sonst hat man ihn den Hübichenstein geheißen) der große bleibt, habe ich mein Recht daran und darf auch auf der Erde walten gehen (d.h. umgehen), wenn aber der große Gübichenstein zum kleinen wird, so kostet's mich die Krone und dann darf ich blos unter der Erde herrschen. Da schießen nun immer die Leute nach Krimmern [Habichten] und Falken oben auf dem Gübichenstein und das darf ich nicht leiden; denn trifft's den Stein, so bröckelt etwas ab. Wenn er, der Förstersohn, also dafür sorgen wolle, daß Keiner seinen Stein beschädige, so solle er zum reichen Manne werden und könne sich aus der Braupfanne nehmen so viel er wolle.«

Der Förstersohn verspricht's und giebt ihm die Hand darauf. Dann nimmt er sich aus der Braupfanne so viel er will, füllt alle Taschen und häuft auch seine Mütze voll. Wie das geschehen ist, führt ihn der Gübich in ein anderes Zimmer, da ist ein Bett von Moos recht artig bereitet. Der Gübich sagt, er will seinen Gast morgen zeitig wecken und er wünscht ihm gute Nacht. Der Förstersohn hat noch nicht lange geschlafen, da weckt's ihn auf, und wie er die Augen aufschlägt, graut der Morgen, und wie er sich besinnt ('s ist so kalt gewesen), liegt er unten am Hübichenstein und seine Mütze mit den Wildemännergulden liegt noch bei ihm und die Taschen sind gepfropft voll. Das hat er Alles der Obrigkeit erzählt und eine Kirche bauen lassen im Grund, wo vorher keine gewesen. Und die Obrigkeit hat ein Gesetz ausgehen lassen, daß Keiner auf den Hübichenstein steigen dürfe und Keiner da nach Krimmern schießen solle und nach Falken und Raben. Und so lange wie der große Hübichenstein ist unversehrt gewesen, hat der Gübich da sein Wesen gehabt und viel Gutes gethan und manchen Bösen gestraft und es hat ihn auch Mancher gesehen. Aber im dreißigjährigen Kriege da haben die Kaiserlichen die Spitze des großen Hübichenstein aus Muthwillen mit Karthaunen heruntergeschossen und von der Zeit an hat kein Mensch den Gübich mehr gesehen.


(Johann Georg Theodor Grässe)
05.12.2019 22:38 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
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