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Zum Ende der Seite springen Wo der Hund begraben liegt
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nebelwandler nebelwandler ist männlich
Irrlicht



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Wo der Hund begraben liegt Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

In Winterstein liegt der Hund begraben; das ist ein Dorf hart am Fuße des Inselberges, durch den fließt die Emse, da haben früher auch viele Bergleute gewohnt, und die Herren von Wangenheim haben ein Bergschloß gehabt, das ist jetzt eine Trümmer, es sind aber noch drei wangenheimische Schlösser allda. Einer dieser Herren war, wie fast alle seine Vorfahren und Nachkommen, Jägermeister eines Herzogs von Gotha, der hatte einen sehr gescheiten und treuen Hund, des Name war Stutzel, und als der Herr von Wangenheim gestorben war, hatte seine Witwe den Hund noch lange. Stutzel war so geschickt und klug, daß er mit Briefen, die man an sein Halsband befestigte, ganz allein nach Gotha auf den Friedenstein und zur Herrschaft ging und wieder mit Briefen zurück, so daß sich der gothaische Bote den Weg über Winterstein fast ersparen konnte.

Die Witwe war nun dem Stutzel über alle Maßen gut, und da er endlich den Zoll der Natur bezahlte, da ließ sie ihn in einen Sarg legen und weinte schmerzlich und wollte haben, daß auch die Dienerschaft weinen sollte. Die tat's der Herrin und dem Stutzel auch zulieb und heulte und schrie aus Leibeskräften um den gar guten Hund, bis auf eine alte Köchin, die weinte, wie die Jette Thok in der Nordlandsmythe um Baldur, mit trocknen Augen – darob zürnte die Herrin und gab ihr auch kein Trauerkleid, wie das übrige Gesinde empfangen. Da sie aber in die Küche kam, wo die Köchin Zwiebeln schnitt, davon ihr die Augen tränten, so sprach sie schmerzvoll: Nicht wahr, nun weinst du doch noch um den guten Stutzel? Sollst nun auch ein Trauerkleid haben! Die alte Köchin lächelte durch die Tränen und sagte nicht nein. –

Nun wollte die Frau von Wangenheim, Stutzel solle feierlich beerdigt werden, und zwar nirgend anders hin als auf den Gottesacker; da kam der Pfarrer aufs Schloß und sagte: Gnädige Frau, dieses gehet nicht an. Der Gottesacker ist für Christenleute und nicht für einen Hund. Nicht einmal einen Juden dürfte ich auf selbigem begraben lassen. – So! sagte die Frau Jägermeisterin von Wangenheim Witwe, gehet es nicht an? Das tut mir leid. Der selige Stutzel war gar kein Hund, er hatte Menschenverstand, hat auch sogar ein Testament gemacht und darin Seiner Kirche einhundert Taler vermacht und Ihme selbsten fünfzig Taler, notabene, wenn ihm ein Plätzchen auf dem Kirchhof würde, außer dem [anderenfalls] aber nichts. – Das ist freilich ein ander Ding, gnädige Frau, die Kirche ist sehr arm, sagte darauf der Pfarrer, ei der gute fromme Stutzel! Wer weiß, ob nicht in ihm ein lieber Mensch verzaubert war, da er so vielen Menschenverstand gehabt. Nun – ich denke – ein Eckchen im Kirchhof – Ihro Gnaden mich dienstwilligst zu erzeigen. –

Wurde darauf ein feierliches Leichenbegängnis veranstaltet und mußten Knechte und Mägde, so alle in Trauer gekleidet, hinter dem Hundesarg hergehen. Aber das wurmte die Gemeinde und kam herum in der Gegend, und wo sich ein Wintersteiner sehen ließ, lachten die Leute und spotteten, wie ohnehin die Thüringer gern spotten: Na, bei euch zu Winterstein leigt ja der Hund uff'm Kerfich (Kirchhof) begraben! – und kam vor die gnädige Landesherrschaft, wurde selbige darob sehr ungnädig, kam eine Kommission vom herzoglichen Consistorio zu Gotha, wurde der Pfarrer amtlich vernommen. Sagte, er hätte es um des armen Kirchleins willen zugelassen, half ihm aber sotane Ausrede gar nichts; Pfarrer wurde abgesetzt, und Stutzel wurde ausgegraben, ob die Frau von Wangenheim aber das Geld zurückerhalten hat, ist sehr zu bezweifeln; ein Herr von Wangenheim, der dieses selbst erzählt hat, wußte davon nichts.

Nun ließ die Frau Jägermeisterin von Wangenheim Witwe den Stutzel zum zweiten Male beisetzen, und zwar im Garten, und ließ ihm einen Stein zum Denkmal setzen, darauf der unvergeßliche Stutzel abgebildet war, wie er leibte und lebte, und eine schöne Grabschrift war darauf zu lesen, die Stutzels Tugenden der Unsterblichkeit überlieferte. Und noch immer geht das Sprüchwort: In Winterstein – da liegt der Hund begraben.


(Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch)



Am östlichen Fuße des Wartberges gegen den Inselberg hin liegt das Dorf Winterstein, und zu Winterstein „liegt der Hund begraben“. Dort war und ist noch ein ritterliches Geschlecht seßhaft, die Herren von Wangenheim, das einen Hund im Wappen führt, die hatten dort ihr Stammschloß, das jetzt in Trümmern liegt, doch sind noch drei Wangenheimische Schlösser daselbst. Vor 200 Jahren hatte ein Jägermeister des Geschlechtes derer von Wangenheim einen Hund, der hieß Stutzel, und war geschickt, treu und klug, so klug, daß man ihn als einen treuen Boten mit Briefen nach Gotha auf das Schloß Friedenstein schicken konnte.

Dieser Hund blieb auch noch der Wittwe jenes Jägermeisters lieb und werth, fast allzulieb, denn als derselbe der Natur seinen Tribut gezahlt, und gestorben war, war die Jägermeisterin Wittwe ganz außer sich vor Schmerz, ließ für den Hund einen Sarg machen, wie für einen Christenmenschen, weinte sehr um ihn und verlangte zumal, daß ihre ganze Dienerschaft ebenfalls um den Stutzel weinen sollte. Letztere that dies auch, mindestens that sie so, als weine sie rechtschaffen; dafür bekam sie auch Trauerkleider von der Herrin geschenkt. Einzig nur die alte Köchin, deren Augen um den Hund völlig trocken blieben, that nicht einmal, als ob sie weine, da bekam sie tüchtig Schelte, worauf sie eine Zwiebel zerschnitt und sich die beiden Hälften an die Augen hielt. Darauf thräneten ihr baß die Augen, und als sie nun so der Herrin unter deren Augen trat, ward letztere tief gerührt, und schenkte der alten Köchin auch ein schönes neues Trauerkleid.

Nun wollte Frau von Wangenheim den Stutzel durchaus auf den Gottesacker begraben haben, weil er ein gar so frommes Hundevieh gewesen, dagegen widersetzte sich der Pfarrer und sagte, dieß gehe nicht an. Aber die Frau Wittwe bestimmte der Kirche 100 Thaler, und dem Pfarrer 50 Thaler, da mußte es angehen, um der Armuth des Kirchleins und des Wintersteiner Pfarrers Willen. Und hatte der Hund eine sehr schöne Leiche [Beerdigung]. – Als aber die Sache im Lande ruchbar wurde, wurden die Einwohner von Winterstein von ihren nachbarlichen Umwohnern furchtbar geneckt und verhöhnt, daß auf ihrem Kirchhof „der Hund begraben liege“. Und der Pfarrer wurde vor ein Herzogliches Consistorium nach Gotha gerufen, ihm eine Strafpredigt gehalten und der Text gelesen ganz gehörig, dann wurde der Pfarrer abgesetzt, und der Stutzel ausgegraben, worauf ihn die Frau Jägermeisterin in der alten Schloßruine beisetzen, und ihm einen schönen Grabstein errichten ließ, auf dem Stutzel abgebildet zu sehen ist, wie er leibte und lebte, nicht etwa heraldisch, daß man denken könnte, die Sage sei aus dem Familienwappen abgekünstelt. Darunter steht mit lateinischen Buchstaben folgende Inschrift:


H. V. W. 1650 war der Hund begraben, H. V. W.
Daß ihn nicht sollen fressen die Raben.
Stutzel war sein Name genannt,
Bei Fürsten und Herren wol bekannt,
Wegen seiner Treu und Munterkeit
So er seinem Herrn und Frauen geweiht.
Schickt man ihn hin nach Friedenstein,
So lief er hurtig ganz allein,
Gut hat er sein Sach ausgericht’t,
Drum hat er diesen Stein gekriegt.


(Ludwig Bechstein, Thüringer Sagenbuch)



Stutzels Grab:

Wikipedia
suehnekreuz.de

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08.12.2019 16:11 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
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