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Stregoicavar Stregoicavar ist männlich
Mystischer Orkan



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Und wieder ist Halloween...da dachte ich mir, ein paar alte Bekannte zu entstauben.

31. August 2001:
Der Museumsgarten der Stadt Mediasch wurde von der Abendsonne in goldenes Licht getaucht. Im Arbeitszimmer des Kurators Dr. Helmut Schneider war davon wenig zu spüren.
Fassungslos betrachtete der rüstige Endfünfziger die dargebotenen Reproduktionen aus der hochwertigen Kunstmappe. Die Atmosphäre von kosmischem Grauen und fassungsloser Morbidität ließ sich auch vom zehnten Kaffee nicht verscheuchen.
Was sollte man auch zu dem Bruch im Schaffen eines der bedeutendsten Heimatmaler sagen, der bis 1938 der Inbegriff von bürgerlicher Ästhetik und Heiterkeit war, nachher jedoch nur düstere Landschaften malte? Und trotzdem..einen solchen Abgrund an Grauen und Verfall hätte ihm der Kurator nie zugetraut.
Ein Bild , genannt „Land in Flammen“ zeigte eine Landschaft in einem graugrünen Grundton des Verfalls, in dem die Blätter der Bäume Eitergeschwüren glichen und seltsame verkrüppelte Insekten durch die Luft flogen, einen Feuerschweif nach sich ziehend. Ein anderes Bild, genannt „Die Ankunft“ brachte gleich die ganze Hölle auf Erden-von keinem anderen Ort konnten die seltsamen Zwitterwesen aus Insekt, Reptil und Oktopus stammen, die ihren Weg aus der Erde brachen, von den seltsamen Wurmwesen mit Menschengesichtern ganz zu schweigen..
Und trotzdem..alle Bilder trugen die unverwechselbare Signatur von Viktor Steiner, dem bekanntesten Mediascher Maler.
Dr. Schneider sah endlich von der Mappe auf und fixierte sein Gegenüber, ein drahtiges, joviales Männlein um die Sechzig in exquisitem Maßanzug. Der schmale, aristokratisch wirkende Kopf wurde von einer Mähne schneeweißen Haares gekrönt. Mit etwas Fantasie und entsprechendem Schnauzbart hätte der Mann als Kopie von Albert Einstein durchgehen können.
Dem widersprachen jedoch das markante Kinn und der kalte Blick seiner dunkelblauen Augen, die ihn als Mann von großer Willensstärke und Durchsetzungskraft auswiesen-trotz der zur Schau gestellten Fröhlichkeit, die seine Augen nie erreichte.
„Herr Weber, ich hoffe, Sie wollen mich nicht auf den Arm nehmen. Mir fällt es sehr schwer zu glauben, dass all diese Bilder von Viktor Steiner stammen sollen. Weder mir, noch sonst jemandem aus dem Kreis der hiesigen Kunstkenner ist Vergleichbares aus seinem Schaffen bekannt.“
„Aber, aber, Herr Schneider“ erwiderte der Angesprochene mit schwer amerikanischem Tonfall und strich mit der rechten Hand über den silbrigen Spitzbart. „Diese Bilder sind sehr..exklusiv (er sprach das Wort „exclusive“ aus) und Teil der privaten Sammlung meines Auftraggebers, Mr. Raynald Grimm aus Providence, Rhode Island.“
„Wie kamen diese Bilder überhaupt in seinen Besitz?“
"Nun..es war sein Vater, Mr. Robert J. Grimm II, der diese Bilder kaufte. Er traf Mr. Steiner 1938 in Mediasch. Mr. Steiner war…in einer sehr persönlichen Krise. Er war „down“, wie wir Amerikaner das nennen. Doch er malte diese Bilder und hatte Angst, sie zu zeigen. Mr. Grimm kaufte sie ihm ab, zu einem sehr guten Preis, fast zu gut.“
Dr. Schneider stutzte. Eigentlich ging es im Hause Steiner seit 1938 finanziell nur noch bergab, wo blieb dann dieser fabulöse Betrag?
„Mr. Grimm besorgte dann auch den Transport der Bilder nach Providence, auf eigene Kosten, versteht sich. Er war..besessen vom Okkulten, verstehen Sie? Diese-Obsession gab er an seinen Sohn weiter.“
Mr. Weber legte eine Pause ein und nippte an seinem inzwischen erkalteten Kaffee. Dann fixierte er Dr. Schneider über den Rand seiner Designerbrille, und sein Blick hatte etwas Fiebriges an sich.
„Diese Bilder, Dr. Schneider! Sie sollten mal die Sammlung von Mr. Grimm sehen! Francesco de Goya und Hieronymus Bosch haben nichts Besseres zustande gebracht! Oh, wenn Mr. Lovecraft lang genug gelebt hätte, diese Bilder zu sehen!“
„Was wollen Sie eigentlich, Mr. Weber?“ Der Ton seines Gegenübers ging dem Kurator allmählich auf die Nerven.
„Mr. Schneider, meine Aufgabe ist diese: Mr. Raynald Grimm beauftragte mich nachzuforschen, ob noch weitere Bilder von Viktor Steiner existieren, die in dieser Art gemalt sind. Wenn ja, ist Mr. Grimm bereit, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen.“
„Dann teilen Sie Ihrem Auftraggeber mit, dass er sich keine Hoffnungen zu machen braucht. Ich kann Ihnen gerne den bekannten Katalog des Malers zur Verfügung stellen, Sie werden kein einziges verwandtes Bild darin erkennen. Und damit ist meine Audienz zu Ende-auf mich warten noch weitere Termine.“
Der Angesprochene schüttelte enttäuscht den Kopf, und sein Blick gewann an Kälte.
„Oh, what a pity, indeed! Ich kenne den Catalogue von Mr. Steiner sehr gut-Mr. Grimm stellte ihn mir zur Verfügung. Wenn Sie aber noch ein anderes Bild von dieser Art kennen-nun-contact me. Ich bleibe noch eine Woche in Hermannstadt, Hotel Römischer Kaiser.“
Damit reichte der nicht mehr ganz so joviale Mr. Weber eine Visitenkarte der Anwaltssozietät Weber, Andrews & Partner aus Providence, Rhode Island, an den verdutzten Kurator weiter. Die Verabschiedung verlief eher formell.
Dr. Schneider war etwas verwirrt. Zuerst der künstlerische Wahnsinn einer sonst so ausgeglichen wirkenden Seele, und nun ein potentieller Käufer für dieses entfesselte Delirium!
Eben fiel dem Kurator auf, dass Mr. Weber bewusst oder nicht die Kunstmappe vergessen hatte. Einem unbekannten Drang folgend, studierte er die Gemälde genauer-und erinnerte sich an etwas.
Im Keller des Museums befand sich ein fest verschnürtes Paket mit noch nicht gesichteten Skizzen und Entwürfen des Malers. Dr. Schneider wollte sie spätestens Anfang 2002 sichten und studieren-für Juni 2002 war eine umfangreiche Ausstellung der repräsentativsten Bilder von Viktor Steiner angedacht-doch konnte er genauso gut auch jetzt damit beginnen.
Nachdem er das Paket gründlich entstaubt hatte, öffnete er die Verpackung und entnahm ihr eine umfangreiche Mappe, die mit grober Packschnur zusammen gehalten war. Von einer Lage robustem Packpapier geschützt, befanden sich mehrere Zeichnungen und Entwürfe im Inneren der Mappe, die frühesten von 1936, als Viktor Steiner hauptsächlich siebenbürgische Landschaften malte.
Die Skizzen nach 1938 trugen alle den melancholischen Charakter des Steinerschen Spätwerkes. Einige davon waren meisterhaft ausgeführt, so dass der Kurator bereits überlegte, sie in der Ausstellung zu präsentieren.
Dr. Schneider legte die letzte Skizze von 1938 beiseite-und erstarrte.
Die nächste Skizze datierte vom Mai 1939 und fiel vor allem durch ihre grobe Ausführung auf. Statt der filigranen Linien der Landschafts-Entwürfe trug der Maler hier mit Tusche dicke Linien auf, doch war dieses nicht das Einzige, das die Aufmerksamkeit des Betrachters an sich zog.
Zu sehen war ein fliegendes Insekt mit einer alptraumhaften Gestalt, ein Hybrid aus Käfer, Spinne und Krustentier mit gezackten Flügeln und stachligen Gliedmaßen. Aus dem Hinterteil des Insektes quoll ein langer Feuerschweif, im Hintergrund war ein brennendes Zimmer zu sehen.
Die Skizze trug neben der Signatur von Steiner noch eine Notiz: „Gesehen, 30. April“.
Der Kurator schüttelte den Kopf. War Viktor Steiner in seinen späten Jahren ein Opfer des Wahnsinns geworden, wie einige Zeitgenossen vermuteten?
Die nächste Skizze schockierte den robusten Wissenschaftler noch mehr. In derselben groben Linienführung hatte der Maler eine Endzeitvision geschaffen, in der die Mediascher Altstadt brannte und im verrauchten Himmel noch mehr solcher Insekten mit Feuerschweif umherflogen, manche davon in geradezu riesiger Ausführung.
Doch weitaus erschreckender waren die wenigen humanoiden Figuren auf den Straßen der Stadt, die eher entflohenen Dämonen glichen. Von den sechs entworfenen Figuren glich keine der anderen, alle waren sie aber von einer geradezu hypnotischen Abscheulichkeit.
Neben der Signatur des Malers war eine Frage zu sehen: „Ist dieses das Ende?“
Dr. Schneider verspürte plötzlich heftige Kopfschmerzen, die nur dann nachließen, wenn er den Blick von der Skizze abwandte. Kurzerhand packte er sie in die Mappe zurück und verschloss diese wieder.
Wenn das Mr. Weber ahnen würde…Trotz der morbiden Überraschungen musste Dr. Schneider heimlich lächeln.
Urplötzlich überkam ihn noch eine Erinnerung.
Vor etwa drei Jahren brachte Daniel Steiner, der verwahrloste Neffe des Malers, eine Kiste mit allerlei „nutzlosem Krempel“ zum Museum. Der „Plunder“ hätte einmal seinem Onkel gehört und wäre vor kurzem vom Nachmieter des Steinerschen Hauses im Keller gefunden worden. Da hätte er sich doch gedacht, er brächte die Truhe mal vorbei, vielleicht ist ja Wertvolles drin? Die „Herren Professoren“ könnten sicherlich etwas damit anfangen. Mit diesen Worten stellte er die Truhe ab und verließ den Museumshof, ohne auf die Proteste des Kurators zu achten.
Nach einer kurzen Sichtung des Inhalts entschied Dr. Schneider, dass tatsächlich nichts Wertvolles darin enthalten war, und ließ die Kiste in den Keller bringen.
Höchste Zeit, den Inhalt mal genauer unter die Lupe zu nehmen…
Wenige Zeit später wühlte der Kurator lustlos in der Truhe herum, die in einem Kellereck vergessen dahingammelte. Leider musste er dem Neffen des Malers recht geben. Da war nichts Wertvolles, das irgendeinen Platz in einer Ausstellung verdient hätte-was ist das aber für ein Geruch?
Ein sonderbar penetranter Geruch, wie eine Mischung aus Petroleum und Parfüm , schien aus einem kleinen Fläschchen zu verströmen, das mehrfach mit Sackleinwand umwickelt in einer Ecke der Truhe lag. Sorgfältig entnahm der Kurator das Gefäß aus der Truhe und löste die Sackleinwand, worauf der Geruch noch zunahm.
Das Ganze entpuppte sich als-Tintenfaß aus dunklem Glas, in dem eine dunkle Flüssigkeit schwappte.
Ob das aber Tinte ist?
Dr. Schneider schraubte sorgfältig am Verschluß des Gefäßes…
Der Gestank, der dem Gefäß entströmte, haute ihn fast um. Zu den erwähnte Gerüchen gesellte sich eine äußerst penetrant-bittere Note, wie von etwas gründlich Verbranntem. Das Miasma griff nicht nur die Nase, sondern auch das Hirn an. Der Kurator erblickte für ein paar Sekunden eine desolate Landschaft voller undefinierbarer Formen, die teils krochen und teils flogen..
Einen aufkommende Brechreiz unterdrückend, schraubte Dr. Schneider das Fläschchen wieder zu und wollte es wieder mit Sackleinwand umwickeln, als er entsetzt zusammenzuckte.
Irrte er sich, oder hatte sich im Gefäß tatsächlich etwas bewegt?
Deine Nerven sind nicht mehr die besten, alter Junge!
Soeben wollte er das sonderbare Behältnis auf seinen Platz legen, als ihm ein Stoß eng beschriebener Papiere auf dem Boden der Truhe auffiel. Offenbar vergessene Notizen des Malers..
Nun hat die Truhe doch einen Wert..Freudig nahm der Kurator die Papiere an sich und auch das sonderbar riechende „Tintenfaß“. Ein befreundeter Chemiker sollte den Inhalt analysieren um die wahre Natur dieser sonderbaren „Tinte“ herauszufinden.
Von Entdeckerfreude getrieben, verließ Dr. Schneider den Museumskeller und betrat die Innenräume des Museums über den Hof.
Halb zwischen den Sträuchern des Museumsgartens verborgen, verfolgte eine hagere Gestalt aufmerksam jede seiner Bewegungen..
Im Büro angekommen, reinigte der Kurator die beschriebenen Blätter erstmal vom Staub, bevor er sie näher betrachtete. Sie schienen eine Art Tagebuch zu sein, das im April 1939 seinen Anfang nahm.
25. April
Ingenieur P- erzählte mir heute eine seltsame Geschichte. In der Nähe der Botorca-Hügelkette sei eine ölartige Substanz aus dem Boden gedrungen, die alles verändert, was sie berührt. Die Dorfbewohner schwören, nie dagewesene Insekten beobachtet zu haben, aber auch froschartige Monstrositäten. Monströs scheint bei denen allerdings nur der Hang zum selbstgebrannten Schnaps zu sein..
Der Ingenieur versprach, mir bei seinem nächsten Besuch eine Probe dieser Substanz mitzubringen, vielleicht könnte ich sie ja zum Malen gebrauchen. Das bezweifle ich sehr, trotzdem stimmte ich zu.
27. April
Heute brachte der Ingenieur tatsächlich eine Probe der Substanz mit, abgefüllt in einem kleinen Tintenfass. Obwohl er mich warnte, das Tintenglas ohne Nasenschutz zu öffnen, tat ich es trotzdem. Im nächsten Augenblick haute mich der Gestank fast um, und ich schloss das Glas mit tränenden Augen. Zum Malen ist das Zeug jedenfalls nicht zu gebrauchen, meine Neugier ist aber geweckt. Ich werde das Glas morgen zu meinem alten Schulfreund, dem Apotheker F- bringen, der soll den Inhalt genauer untersuchen. Was das wohl sein könnte?
29. April
Ich muss diese verdammte Substanz endlich loswerden…F- weilt nicht in der Stadt, sondern in Herculane auf Kur und ist erst in einer Woche zurück. Selbst ein fester Verschluss kann den penetranten Geruch nicht bändigen, außerdem plagen mich seit zwei Nächten seltsame Träume von Ungeheuern, die Feuerschweife am Himmel hinterlassen, und Alptraumgestalten, die Mediasch vernichten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Substanz nicht nur den Geruchssinn angreift, sondern auch das Gehirn.
Vielleicht ist das auch die Erklärung für etwas, was ich heute nach dem Erwachen sah, oder meinte zu sehen. Aus meinem Arbeitszimmer war ein sonderbares Klappern zu hören, als ich nachsah, war es das Tintenglas, in dem etwas hin und her ruckte, als sei es lebendig und wolle heraus..
Kann ich meinen Nerven noch trauen? Auf jeden Fall werde ich heute einige nächtliche Visionen zu Papier bringen, vielleicht hilft das ja…
An dieser Stelle wurde Dr. Schneider von der Ankündigung eines Besuches überrascht. Eine Gruppe Historiker der Bukarester Universität wollte Näheres über das Mediascher Museum erfahren. Der Kurator verließ das Büro, ohne es abzuschließen oder seine Funde wegzuräumen. Das Fenster zum Hof blieb offen…
Während er seine Gäste durch die verschiedenen Ausstellungsräume führte, huschte jemand in das Büro des Kurators..
Eine Stunde später war der Rundgang beendet, und Dr. Schneider führte seine Gäste in das Büro, um sie mit Kaffee und Gebäck zu bewirten.
Kaum hatte er die letzte Stiege hinter sich, als plötzlich hinter der verschlossenen Tür ein erstickter Schrei zu hören war, gefolgt von dem Klirren splitternden Glases.
Dr. Schneider blieb wie versteinert stehen und bedeutet seinen Gästen, sich nicht von der Stelle zu rühren. Dann ging er hastig auf die geschlossene Bürotür zu. Er hatte sie beinahe erreicht, als von drinnen ein eigenartiges Summen ertönte, das sich in der Laustärke steigerte, um schließlich in einem lauten Knall zu enden. Die Druckwelle riss die Tür auf-und gab die Sicht auf ein rußgeschwärztes Büro frei.
Auf dem Schreibtisch des Kurators schwelten die Reste von verkohlten Blättern .während eine wimmernde, angesengte Gestalt versuchte, sich unter dem Schreibtisch zu verkriechen.
Die Bestürzung des Kurators wich einer lodernden Wut. Laut aufbrüllend stürzte er in das Büro und riss den leicht verletzten Eindringling am Kragen hoch.
„Mister Weber! Sind Sie denn auf einmal zum Museumsräuber geworden? Was suchten Sie in meinem Büro? Etwa weitere Skizzen von Viktor Steiner? Was zahlt Ihnen Mr. Grimm dafür? Wenn ich Sie jetzt anzeige, machen Sie Bekanntschaft mit den rumänischen Gefängnissen! Die Herren da hinten sind meine Zeugen, außerdem kann ich behaupten, dass Sie versuchten, mein Büro abzufackeln! Das wird Mr. Grimm aber teuer zu stehen bekommen!“
„Es ist wahr..alles wahr..“ stammelte der sichtlich angegriffene Anwalt.
„Wahr? Was soll das jetzt wieder?“
„Die Kreaturen aus den Zeichnungen..eine flog aus dem Fenster..“
Als sei er aus einem tiefen Traum erwacht, ließ Dr. Schneider von Mr. Weber ab und betrachtete sein Büro genauer…Die Bukarester Gäste hatten mittlerweile schon längst das Weite gesucht..
EPILOG
30. November 2001
Dr. Schneider saß zufrieden in seinem frisch renovierten Büro und erinnerte sich an einen denkwürdigen Tag vor drei Monaten..
Die ganze Affäre wurde schließlich vom Kurator im Einverständnis mit Mr. Weber heruntergespielt. Nach einem ersten Schock setzte der Anwalt sein gesamtes rhetorisches Talent in Bewegung und hielt dem verdutzten Heimatkundler einen langen Vortrag, in dem die guten Beziehungen Rumäniens zu den USA ebenso vorkamen wie die rein künstlerische Neugier, die ihn in das unbesetzte Büro trieb. Keineswegs wollte er etwas stehlen, oh my goodness! Er wollte sich nur informieren, und da er sich vorher von Mr. Schneider schlecht behandelt fühlte, hätte er es eben so versucht..
Was letztendlich den Ausschlag in der Sache gab, war die Zusicherung des Anwalts, sich bei Mr. Grimm für den Kurator und das Mediascher Museum einzusetzen. Da würde für Mr. Schneider etwas rausspringen. Wenn er nur bitte manches nicht erwähnen würde…er würde es keineswegs bereuen.
Dr. Schneider stimmt schließlich zu. Der ganze Vorfall wurde als Explosion infolge einer undichten Gasleitung bekanntgegeben-hatte der Kurator nicht immer darauf hingewiesen, dass eine Wartung dieser Leitungen längst überfällig sei? Was soll denn sonst noch geschehen, bevor es zu einem größeren Unglück kommt? Am Unglückstag seien Gäste aus Bukarest vor Ort gewesen, die das bezeugen können (was sie nach einem längeren Gespräch und einigen Versprechungen von Mr. Weber auch taten)


Mr. Weber aus Providence erhielt die notwendige medizinische Versorgung, bevor er zwei Wochen später seinen Rückflug antrat. Bei seiner Verabschiedung stand Dr. Schneider neben einem Repräsentanten der USA-Botschaft und einem Staatssekretär des rumänischen Außenministeriums. In einem Anflug von Großzügigkeit überließ ihm der Kurator die Mappe mit den späten Skizzen des Malers-sie hatte den ganzen Vorfall unbeschadet überstanden..
Ihm würde sowieso keiner glauben, dass manche Zeichnungen von Viktor Steiner stammen..
Kurze Zeit später erhielt das Mediascher Museum eine Spende in ungewohnter Höhe von der „Steiner Foundation“ in Providence, Rhode Island. Ein Brief von Mr. Weber (dem neuen Geschäftsführer der Stiftung) kündigte zwei weitere Spenden an, die im Abstand von jeweils drei Monaten folgen würden. Ob sein Mediascher Freund damit zufrieden sei, wollte der Anwalt wissen. Mr. Grimm sei sehr besorgt..
Don’t worry, altes Schlitzohr..hier ist alles bestens..
Und doch war es nicht die ganze Wahrheit. Dr. Schneider sollte einen Anblick beim Betreten des beschädigten Büros nie vergessen:
Ein paar Sekunden lang war durch das offene Fenster die groteske Silhouette einer insektenhaften Kreatur zu sehen, die mit großer Geschwindigkeit dahinflog, einen Feuerschweif nach sich ziehend..

__________________
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen...
31.10.2016 20:59 Stregoicavar ist offline E-Mail an Stregoicavar senden Homepage von Stregoicavar Beiträge von Stregoicavar suchen Nehmen Sie Stregoicavar in Ihre Freundesliste auf
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Top! Top! Top!

Da sag ich: Vielen Dank fürs Posten, tolle Geschichte.

Liest sich richtig toll Oooooh! Top!
02.11.2016 18:37 sk8282 ist offline E-Mail an sk8282 senden Homepage von sk8282 Beiträge von sk8282 suchen Nehmen Sie sk8282 in Ihre Freundesliste auf
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