GespensterWeb Forum

Registrierung Mitgliederliste Teammitglieder Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

Forenregeln Nutzungsbedingungen Datenschutzerklärung Impressum

Unsere Partner Ghosthunter:

Zur Webseite von AnDaPaVa Zur Facebookseite von Ghost Scientist Sebastian Kuhn Zur Webseite von Team Ghost Hunter Zur Webseite von Ghosthunter NRWUP & RLP


GespensterWeb Forum » ~ SAGEN & MYTHEN ~ » Sagen & Mythen - Deutschland » Der Mühlgötz » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Der Mühlgötz
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
nebelwandler nebelwandler ist männlich
Irrlicht



images/avatars/avatar-9248.jpg

Dabei seit: 01.03.2019
Beiträge: 113

Level: 22 [?]
Erfahrungspunkte: 45.858
Nächster Level: 49.025

3.167 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg

Der Mühlgötz Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Der Mühlgötz

In der obern Mühle zu Plauen ward oder wird noch heute ein seltsames altes Holzbild gezeigt, eine plumpe Menschenfigur, etwa wie der Sondershäuser Püstrich, das nannten sie den Mühlgötz, und die Sage ging, es stamme noch aus heidnischer Zeit, sei wirklich ein Götzenbild gewesen. Das Bild hatte die wunderliche Eigenschaft, daß es nicht aus der Mühle fortzubringen war, sondern wenn man versuchte, es wegzuschaffen, so kehrte es immer wieder an seinen alten Ort zurück, aber dann niemals ohne Rumor und Spukspektakel.

Nun trat einstmals ein vorwitziger Gesell als Klapperbursch (Mühlknappe) ein, grüßte nach üblicher Weise das ehrsame Müllerhandwerk und bat um Nachtquartier, was ihm gern gewährt wurde. Da er sich die Mühle beschaute, so fiel ihm auch der Mühlgötz in die Augen, und auf Befragen erhielt er Bericht über die Bewandtnis, die es mit sotanem Bilde habe. Des lachte der fremde Knappe und gedachte heimlich zu erproben, ob denn das wirklich an dem sei, daß solch ein altes braunes Holzbild von selbst wieder dahin zurückkehre, von wo man es weggetragen. Schlüpfte daher zur Nacht, da zudem heller Mondschein war, aus seinem Kämmerlein, schlich zum Bilde, nahm es von seiner Stelle und warf es in den Mühlgraben. Aber da erhob sich plötzlich ein lautes Sturmgetöse, die Räder wurden von unsichtbarer Hand angelassen, die Mühle ging, die Klingel schellte, das Wasser brauste fürchterlich, und Geräte, Kübel und Kästen wirbelten im Werk umher, daß dem Burschen Hören und Sehen verging. Eine unsichtbare Hand faßte den Knappen beim Schopf und zog ihn zum Graben zurück, dem der Holzblock entragte. Gar geschwind zog der Erschrockene den Mühlgötzen wieder aus dem Wasser und trug ihn an seinen Ort zurück, darauf war alles wieder still, nicht aber der Müller; dieser, als er mit seinem Knappen sah, was die Ursache des greulichen Rumors gewesen, und daß der Fremde den Mühlgötzen beunruhigt hatte, nahm er einen Stecken, hieß seinem Knappen ein gleiches tun, und beide prügelten nun den Vorwitzling derb und tüchtig ab und warfen ihn zur Mühle hinaus. Der Mühlgötz blieb fortan unbeunruhigt auf seiner Stelle.


(Ludwig Bechstein)



Der Mühlgötz zu Plauen

Bearbeitet von Julius Schanz. Metrisch behandelt von E. Hager, H. I. S. 57. S.a. Bechstein's Sagenbuch a.a.O. S. 476.

In der obern Mühle zu Plauen steht schon viele, viele Jahre ein Götzenbild, wer weiß wie alt, das wohl aus der heidnischen Zeit herstammen mag (und angeblich vor langen Jahren auf dem Mühlgraben schwimmend von den Mühlknappen aufgefangen worden sein soll), gemeiniglich nur der Mühlgötz genannt. Niemand wagt es von seinem Platze zu nehmen, und wenn der Müller an ihm vorübergeht, so nimmt er bedächtig sein Käppchen ab, dieweil er den Mühlgötz für den Schutzpatron des Gewerkes hält und ihm den glücklichen Fortgang der Müllerei schuldig zu sein glaubt. Man erzählt sich aber von dem Mühlgötz folgende Sage:

Ein lustiger Müllerbursche, der dem Wasser nachging und wo möglich in jeder Mühle das Gastrecht in Anspruch nahm, kam auch in die obere Mühle zu Plauen. Sein heiteres, witziges Wesen verschaffte ihm mit leichter Mühe ein Nachtquartier, und er hatte sich an reichlicher Speise und einem frischen Trunke schon ein Gütliches gethan, als er erst in das Innere der Mühle trat, um sich dasselbe zu beschauen. Bald blieb er vor einem braunen hölzernen Bilde stehen, das ihn mit weit herausgesteckter Zunge angrinste. »Zum Teufel, was ist denn das für ein Ding?« fragte er den Müllerburschen, »Es ist wohl gar Euer Schutzpatron?« »Ih bewahre, es ist ein Stück aus dem Heidenthume«, sagte der Mühlbursche, »der Mühlgötz genannt, der einst wie ein Gott verehrt wurde und auch jetzt noch von uns in Ehren gehalten wird. Versuch's nur Einer, ihn von dem Platze zu bringen, ich mag die Prügel nicht mit ihm theilen: er läßt nicht ab, bis er wieder auf dem Platze ist«. Der lustige Mühlbursche lachte laut auf über diese Mähr, im Stillen aber dachte er bei sich: »warte nur, Götz, mit Dir ist's aus.«

Um Mitternacht als sie Alle schliefen, erhob er sich leise von dem Lager, schlich sich in die Mühle und sprach zu dem Götzen: »Herunter mit Dir, Bursche, mache keinen Lärm, daß die Müllermädel nicht erschrecken. Ich will Dich taufen, blinder Heide, im Namen Gottes.« Mit diesen Worten warf er ihn in den Mühlgraben. Da auf einmal erhob sich ein pfeifender Sturmwind, daß das ganze Haus erbebte und die Fluth hoch aufschäumte und die Räder sich wie toll im Kreise herumdrehten. Todtenbleich vor Schreck lief der Mühlbursche schnell zurück in die Mühle, aber da gingen ihm erst die Augen über. Was nur in der Mühle war, Kübel, Säcke, Kästen, Beutel, ja selbst Müller und Knappe tanzten wie toll in der Mühle herum, darein erscholl der grelle Ton des Glöckchens. Alles krachte und donnerte, als wäre der jüngste Tag gekommen. Noch hatte der vorwitzige Bursche sich nicht vom ersten Schreck erholt, da kam ein Kübel geflogen, gerade auf ihn los, der ihm den Kopf zu zerschmettern drohte, und wie mit unsichtbarer Hand zog es ihn zum Mühlgraben hin, wo hinein er das Götzenbild geworfen hatte. Er nahm es auf den Arm und trug es alsbald auf den Platz zurück. Da standen die Räder wieder still, Säcke, Kübel und Beutel, Alles blieb an seinem Orte. In der Mühle ward es wieder still wie in der Kirche. Der Müller aber prügelte den leichtfertigen Burschen zur Thüre hinaus, und es ist bis heute kein Anderer wiedergekommen, der den Mühlgötz hätte taufen wollen.


(Johann Georg Theodor Grässe)
09.03.2019 07:30 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
GespensterWeb Forum » ~ SAGEN & MYTHEN ~ » Sagen & Mythen - Deutschland » Der Mühlgötz

>>> Zurück nach oben <<<


ForenregelnNutzungsbedingungenImpressumDatenschutzerklärung




GespensterWeb © 2001 - 2018
Neustart nach Reset im Juni 2018

Alle Dokumente auf dieser Website (Forum) unterliegen Copyrights.
Die unerlaubte Verwendung von Texten oder den hier abgebildeten Fotos und Videos ist deshalb nicht gestattet.

All documents on this website are subject to copyrights.
An unauthorised usage of either the text or any photos and videos will be prosecuted.

Das GespensterWeb-Team distanziert sich von den Inhalten der Beiträge der Besucher des Forums.
Weder ein Team-Mitglied, noch der Betreiber des Forums
kann für einen nicht selbst erstellten Beitrag haftbar gemacht werden.
Die Haftung und Verantwortung bleibt immer und allein beim Ersteller des Postings.


Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH

© Forendesign by GespensterWeb