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Zum Ende der Seite springen Das Kind der Fangg
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nebelwandler nebelwandler ist männlich
Irrlicht



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Das Kind der Fangg Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zu Flies war eine Dirn in Dienst, die täglich mehr arbeitete als zehn andere zusammen, und stark war sie wie ein Riese. Aber ihren Namen sagte sie niemand; sie betete nie, und wußte nichts vom Christenthum, und trotzdem, daß man sie belehren wollte, faßte sie nichts auf. Das schmerzte den Bauer und die Bäuerin wohl, aber weil sie sonst brav war, behielt man sie von Jahr zu Jahr im Dienst.

Zur Michaelizeit ging der Bauer mit der Dirn auf den Imster Markt, zwei Ochsen und ein Kalb mußte sie treiben helfen, aber bei der Schönwieserbrücke schickte er sie wieder heim.
Da lief sie nun ohne zu rasten und etwas zu essen über den Kronburger Schloßberg, Zammerberg und Eichholz nach Haus, daß die Leute staunten, weil dazu andere Kräfte erfordert werden, als bei gewöhnlichen Menschen.
Der Bauer verkaufte Ochsen und Kalb sehr gut und ging dann den Weg über den Pillerberg *). Wie er hinunterstieg durch den Bannwald, das Ochsenjoch der verkauften Oechslein über den Schulter, und fast in der Mitte war, rief eine ungeheuer laute Stimme aus dem Walde heraus: Jochtrager! Jochtrager! sag der Stuza-Mutza, d'Hoachrinta sei toad!

Drauf war wieder alles still. Das machte ihn nachdenken, und als er heim kam, saßen Weib und Dirn gerade beim Mußessen, er warf sein Joch ab, wischte sich den Schweiß von den Stirne und erzählte das im Bannwalde erlebte Abenteuer. Wie ihm die Rede entfuhr: Sag der Stuza-Mutza, d'Hoachrinta sei toad! so sprang die Dirn mit dem hellen Geschrei: D'Muota, d'Muota! empor, ließ alles stehen und liegen, und lief dem Bannwalde zu. Niemals wurde sie mehr gesehen.

Bald verbreitete sich die Nachricht, daß die Stuza-Mutza, statt ihrer Mutter nun im Bannwalde hause, und das Geschäft der Alten, Kinder stehlen und fressen und dergleichen, fleißig fortsetze.

*) Auch Bühlerberg. Der Name bedeutet so viel als Heuschober.


(Johann Nepomuk von Alpenburg: Mythen und Sagen Tirols (Zürich 1857), Nr. 5, S. 67.)


Wikipedia: Fänggen


Der österreichische Schriftsteller Adalbert Stifter (1805 – 1868 ) hat diese oder eine sehr ähnliche Sage für seine Erzählung "Katzensilber" aufgegriffen.

Dort fressen die Fänggen allerdings keine Kinder, sondern sind ausschließlich hilfreiche Waldwesen. Die junge Fangg, Tochter der "Sture Mure", bewahrt Großmutter und Kinder eines Bergbauernhofes zunächst vor schwerem Hagelschlag und rettet später den jüngsten Sohn der Familie aus dem brennenden Haus. Sie ist sehr scheu und weist Ähnlichkeiten mit Goethes Mignon auf.


Das Motiv der Stimme, die den Tod eines oder mehrerer Geistwesen anzeigt, woraufhin andere den Kontakt mit den Menschen abbrechen, findet sich öfter.

Vgl. z. B.

Die Wildmannli (Liechtenstein)

Pingel ist tot! (Schleswig-Holstein)
25.06.2019 19:46 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
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