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nebelwandler nebelwandler ist männlich
Irrlicht



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Das Nachtvolk verschmauset eine Kuh Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

1. In ein Haus auf dem vordern Boden im Walserthal kam einmal an einem Marienfeste am hellen Tage während des nachmittägigen Gottesdienstes das Nachtvolk. Es war niemand zu Hause als die „Gogen“, das sind die Kinder des Bauern, die allein „gomten“. Das Nachtvolk machte es sich da nun allsogleich bequem, holte die schönste Kuh vom Stall herein und fing an, diese zu schlachten und ihr die Haut abzuziehen, und machte sich viel Geschäft, zu sieden und zu braten, und verzehrte sie dann „unter Tanzen und Springen, Singen und Jauchzen und unter dem angenehmsten Trommel- und Saitenspiel“. Es gab nun auch den Kindern gar „niedlich“ zu essen, verbot ihnen aber, „ein Bein (Knochen) zu zernagen oder zu verlieren.“ Zuletzt suchten sie die Knochen sorgsam zusammen, konnten nun aber trotz allen Fleißes einen nicht mehr finden. Da wickelten sie die übrigen in die Haut und sagten, sie müßten die Kuh gleichwohl hinken lassen, was sich in der That so befand; denn als die Leute aus der Kirche heimkamen, stand dieselbe im Stalle an ihrem Orte und war so brauchbar als zuvor, nur daß sie ein wenig hinkte und einen Fuß etwas nachschleppte.

Da das Nachtvolk auch sonst im Walserthal groß Aufsehen machte und gewöhnlich mit gar zierlicher Musik angezogen kam, so ging ein Liebhaber der Musik, als er es einmal kommen hörte, ihm auf den Brunnenberg nach, versteckte sich in der Hütte unter das Dach und horchte hier auf seine Musik und schaute seinem Tanze und Spiel die ganze Nacht hindurch zu. Gegen Morgen machte sich nun eines nach dem andern davon, und der letzte steckte noch, wie dem Zuschauer deuchte, ein Messer oben in den Thürpfosten der Tanzhütte. In Wirklichkeit aber ging das Messer dem Fürwitzigen in ein Knie und konnte von Niemandem mehr ausgezogen werden, so daß der Unglückliche es beständig an seinem Fuße herumtragen mußte, jedoch ohne Wehtag. Da riet man ihm, er solle sich übers Jahr genau zur nämlichen Zeit wieder unter den Dachboden begeben, und als er das that, kam wirklich die „Versammlung“ wieder, und er vermerkte nun, daß gerade so wie im Vorjahr das lustige Volk zechte und mutig tanzte und sprang und musizierte. Mit Anbruch der Morgenröte aber marschierte es pünktlich wieder ab, nur daß der letzte über die Thür langte und sagte: „Ich will doch meinen Schnitzer wieder mitnehmen, den ich vor einem Jahr da hinaufgesteckt habe.“ Da war dem Manne das Messer aus dem Knie verschwunden, und er konnte genesen nach Hause zurückkehren.


2. In einer Sennalp „hinter Oberstdorf“ war, nachdem man im Herbste mit den Milchkühen abgezogen war, ein Untersenn noch mit dem Galt- und Jungvieh zur Nachweide zurückgeblieben. Wie er nun einmal des Nachts so allein in der Hütte war und sich schon auf der „Bugrate“ schlafen gelegt hatte, wurde von außen das Thor aufgemacht, und es kam ein ganz sonderbares Volk herein. Die wunderlichen Leute machten sich gleich heimisch in der Hütte, zündeten in der Herdgrube ein Feuer an, gingen Thür aus und ein, holten endlich eine Kuh vom Stall herein und machten alle Anstalten, sie zu schlachten. Sie zogen ihr die Haut herab, zerstückelten das Fleisch, stellten den Kessel über das Feuer und fingen nun an, zu kochen und zu braten. Dann hielten sie eine reichliche Mahlzeit und aßen und tranken nach Herzenslust. Zuletzt holten sie auch den Hirten von seiner „Britsche“ herab, und nun mußte er auch mitthun. Sie setzten ihm ein schönes Stück Braten vor, das er aß, und das ihm auch ganz gut schmeckte. Darauf fingen sie an, zu musizieren, zu geigen und zu pfeifen, und tanzten dazu wie toll. So dauerte es bis zur frühen Dämmerstunde; dann aber packten sie alle auf einmal zusammen und verschwanden. Der Hirt aber wußte kaum, wie ihm war, und fand nun alles in der Hütte wieder in der alten Ordnung. Fast hätte er glauben können, es hätte ihm dies alles nur geträumt, wenn er nicht im Stalle eine merkwürdige Wahrnehmung gemacht hätte. Die geschlachtete Kuh stand zwar frisch und munter da; aber am Schenkel fehlte ein Stück Fleisch, genau von der Größe und Form, wie das Stück Braten gewesen, das er in der Nacht gegessen hatte. Darüber her aber war die Haut gezogen, und nun war ihm gewiß, daß das Ganze kein Traum gewesen, ebenso aber, daß dies alles nicht mit natürlichen Dingen hergegangen war.


(Karl Reiser)
19.09.2019 19:55 nebelwandler ist offline E-Mail an nebelwandler senden Beiträge von nebelwandler suchen Nehmen Sie nebelwandler in Ihre Freundesliste auf
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